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Octopus Energy Pleite – Faktencheck 2026 mit Zahlen

Octopus Energy ist ein britischer Energie- und Technologiekonzern, der 2015 gegründet wurde und seit 2019 auf dem deutschen Markt aktiv ist. Im Dezember 2025 veröffentlichte das Unternehmen seinen Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2024/25, der einen Nettoverlust von 255 Millionen Pfund auswies. Damit entstand das Gerücht einer Octopus Energy Pleite, das sich seitdem in deutschen Foren und Verbrauchergruppen verbreitet, ohne Grundlage in den tatsächlichen Finanzdaten zu haben.

Octopus Energy Pleite: Auf einen Blick

MerkmalDetails
UnternehmenOctopus Energy Group Limited
Gegründet2015, London, Großbritannien
Markteintritt Deutschland2019 (Übernahme von 4hundred, München)
Kunden weltweit (2025)Knapp 10 Millionen (25 % Wachstum zum Vorjahr)
Kunden in Deutschland (Herbst 2025)Über 1 Million Haushalte
Umsatz FY202513,7 Milliarden Pfund (+10 % zum Vorjahr)
Nettoverlust FY2025255 Millionen Pfund (einmalige Sonderposten)
Barreserven (Konzern)Ca. 1,5 Milliarden Pfund (per 30. April 2025)
Unternehmensbewertung9 Milliarden US-Dollar (Investorenrunde 2024)
InsolvenzverfahrenKeines. Kein Gericht, kein Verwalter, keine Behörde.
MuttergesellschaftOctopus Group (London)

Was die Octopus Energy Pleite-Gerüchte ausgelöst hat

Das Geschäftsjahr 2024/25 endete am 30. April 2025. Octopus Energy wies einen Nettoverlust von 255 Millionen Pfund aus, nach einem Gewinn von 83 Millionen Pfund im Vorjahr. Wer dabei stehen bleibt, kommt zu falschen Schlüssen.

„Die letzten beiden außerordentlichen, einmaligen Posten summierten sich auf 144 Millionen Pfund. Die zugrunde liegende Leistung des Konzerns ist solide.“

Stuart Jackson, CFO Octopus Energy Group · Geschäftsbericht FY2025

Zwei Blöcke machten den Großteil des Verlustes aus. Erstens: die abschließenden Kosten aus der Übernahme von Bulb Energy, einem 2022 kollabierten britischen Anbieter, dessen 1,4 Millionen Kunden Octopus auf staatliche Anordnung übernahm. Zweitens: die letzte Abrechnung aus dem britischen Energiepreisgarantie-Programm (EPG), mit dem London während der Energiekrise Haushaltsstrompreise gedeckelt hatte. Beide Posten zusammen: 144 Millionen Pfund, einmalig, nicht wiederkehrend.

Obendrauf kam ein ungewöhnlich warmer Frühling 2025 in Großbritannien und international, der laut eigenem Jahresbericht rund 103 Millionen Pfund am EBITDA kostete, weil schlicht weniger Energie verbraucht wurde. Bereinigt man den Verlust um diese Effekte, lag das EBITDA bei plus 90 Millionen Pfund.

Finanzkennzahlen FY2025 im Vergleich

KennzahlFY2024FY2025Veränderung
Umsatz (Mrd. £)12,413,7+10 %
Nettoverlust / -gewinn (Mio. £)+83-255Sonderposten
Bereinigtes EBITDA (Mio. £)+136+90-34 %
Barreserven Konzern (Mrd. £)ca. 1,0ca. 1,5+50 %
Kunden weltweit (Mio.)7,95knapp 10+25 %
Mitarbeiter weltweitca. 8.50011.400+34 %

Octopus Energy Pleite oder nicht? Was die Zahlen zeigen

Ein Verlust im Jahresbericht bedeutet keine Zahlungsunfähigkeit. Eine Insolvenz entsteht, wenn ein Unternehmen fällige Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen kann. Das ist bei Octopus Energy nicht der Fall. Der geprüfte Jahresbericht stellt ausdrücklich klar: Selbst in gestressten Szenarien hat das Unternehmen ausreichend Liquidität durch alle Verbindlichkeiten.

FaktorBefund
BarreservenCa. 1,5 Milliarden Pfund per 30. April 2025, ausgewiesen im geprüften Jahresbericht
InsolvenzverfahrenKeines. Keine Behörde in Deutschland oder Großbritannien hat ein Verfahren eingeleitet
Unternehmensbewertung9 Milliarden US-Dollar (Investorenrunde 2024), höher als der Börsenwert von British Gas-Mutter Centrica
Kundenwachstum25 Prozent im selben Geschäftsjahr, in dem der Verlust anfiel

Deutschland: Vom Startup-Zukauf zur Millionenmarke

2019 kaufte Octopus Energy den Münchner Ökostromanbieter 4hundred für 15 Millionen Pfund. Das Unternehmen hatte damals 11.000 Kunden und 26 Mitarbeiter. Im September 2024 meldete Octopus Germany über 500.000 Kunden, Anfang 2025 waren es über 700.000 Haushalte, und im Herbst 2025 überschritt der Anbieter in Deutschland die Millionenmarke.

Hintergrund: Kundenschutz bei Energieinsolvenz in Deutschland

Sollte ein Energieversorger tatsächlich insolvent werden, greift in Deutschland automatisch die gesetzliche Grundversorgungspflicht. Kunden werden ohne Unterbrechung vom Grundversorger weiterbeliefert. Niemand sitzt ohne Strom da.

Bei Octopus Energy gibt es nach aktuellem Stand keinerlei Anzeichen für dieses Szenario.

Was am 29. Dezember 2025 passierte, während das Gerücht lief

Am 29. Dezember 2025, also im selben Monat, in dem die Verlustmeldung für Schlagzeilen sorgte, gab Octopus Energy die erste eigenständige Finanzierungsrunde für seine Technologiesparte Kraken bekannt. Rund eine Milliarde US-Dollar floss hinein, bei einer Bewertung von 8,65 Milliarden US-Dollar. Zu den Geldgebern zählen D1 Capital Partners, Fidelity International, Durable Capital Partners und der Ontario Teachers‘ Pension Plan. Zusätzlich flossen 320 Millionen US-Dollar direkt in die Octopus-Gruppe selbst.

Kraken ist eine KI-gestützte Softwareplattform, die Octopus intern entwickelt hat und heute an andere Energieversorger weltweit lizenziert. Zu den Nutzern zählen EDF, E.ON Next und National Grid US. Über 70 Millionen Vertragskonten laufen auf dieser Plattform, mit mehr als 15 Milliarden neuen Datenpunkten täglich. Das vertraglich gebundene Jahresumsatzvolumen von Kraken überschritt im Herbst 2025 die 500-Millionen-Dollar-Marke, nach einem Wachstum von Faktor 4 innerhalb von drei Jahren. CNBC berichtete am 30. Dezember 2025 über die geplante formelle Trennung von Kraken als eigenständiges Unternehmen bis Mitte 2026, Analysten schätzen eine mögliche Börsenbewertung von bis zu 15 Milliarden US-Dollar.

Kraken: Kennzahlen auf einen Blick

KennzahlStand Herbst/Winter 2025
Globale VertragskontenÜber 70 Millionen
Verarbeitete Datenpunkte täglichÜber 15 Milliarden
Vertragl. Jahresumsatz (ARR)Über 500 Millionen US-Dollar
ARR-Wachstum (3 Jahre)Faktor 4
Bewertung (Dez. 2025)8,65 Milliarden US-Dollar
Investitionsrunde (Dez. 2025)Ca. 1 Milliarde US-Dollar
Geplante AusgliederungMitte 2026
Wichtige KundenEDF, E.ON Next, National Grid US, TalkTalk

Ein Unternehmen, das tatsächlich vor einer Insolvenz steht, sammelt keine Milliarden ein. Es verliert Kunden, keine Investoren.

Fazit

Die Gerüchte zur Octopus Energy Pleite haben keinen Rückhalt in den tatsächlichen Zahlen. Der Verlust von 255 Millionen Pfund im Geschäftsjahr 2024/25 entstand aus zwei einmaligen Sonderposten (144 Millionen Pfund aus der Bulb-Übernahme und dem EPG-Programm) sowie einem wetterbedingt schwachen Frühling 2025 (103 Millionen Pfund EBITDA-Einfluss). Was bleibt: 1,5 Milliarden Pfund Barreserven, über eine Million Kunden in Deutschland, und eine Technologiesparte, die gerade mit einer Milliarde US-Dollar bewertet und in die Eigenständigkeit entlassen wird.

Wer seinen Octopus-Vertrag aus Angst vor einer Energieanbieter-Insolvenz kündigen möchte, trifft diese Entscheidung nicht auf Basis der Faktenlage, die heute vorliegt.


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David Frueh
David Fruehhttps://nachblick.de/
Ich bin seit mehr als zwölf Jahren Journalist. Angefangen habe ich bei lokalen Verlagen in Steinbach, wo ich gelernt habe, was sorgfältige Quellenarbeit im Alltag wirklich bedeutet. In dieser Zeit habe ich in nahezu jedem Ressort gearbeitet: Tagespolitik, Gesellschaft, Wirtschaft, Sport, Kultur, Technik, Boulevardberichterstattung über Prominente, ihre Beziehungen, ihr Leben und die Geschichten, die selten vollständig erzählt werden, aktuelle Debatten, Unterhaltung und alles, was die Menschen im deutschsprachigen Raum täglich beschäftigt. Im Mai 2026 habe ich Nach Blick gegründet, mein eigenes Nachrichtenportal, das mit einem festen Team aus Redakteuren und Rechercheteuren arbeitet. Derselbe Grundsatz gilt seit dem ersten Tag: erst recherchieren, dann veröffentlichen.

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