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Tom LaBlanc: Dichter, Aktivist und Ingrid Steegers Ehemann

Tom LaBlanc ist ein Dakota-Dichter, Schriftsteller und Aktivist aus Minneapolis, Minnesota, der in Deutschland fast ausschließlich als Ingrid Steegers Ex-Mann bekannt ist. Was dabei übersehen wird: Am 2. Oktober 1989 saß der Fraktionsvorstand der Grünen in Bonn zusammen, 121. Sitzung, vier Wochen vor dem Mauerfall, und genehmigte unter Punkt 4.2g 2.500 D-Mark, um ihn als Experten für indigene Nuklearfragen nach Bonn einzuladen.

Drei Jahre später fotografierten ihn deutsche Boulevardmedien mit Federhaube und Ingrid Steegers Dackel. Die Bildunterschrift lautete: „Ingrid und ihr Indianer.“



Steckbrief

GeburtsnameThomas LaBlanc
Geburtsdatum21. Juli 1946
GeburtsortMinneapolis, Minnesota, USA
AbstammungSisseton-Dakota (Sioux-Nation)
BerufDichter, Schriftsteller, Aktivist
Bekannt durchEhe mit Ingrid Steeger (1992 bis 1995)
FunktionDirektor, Indigenous Uranium Forum (IUF)
VeröffentlichungenGo Beyond (1992), Dakota (1995), CD Eagle Talk (2002)

Wer ist Tom LaBlanc?

Thomas LaBlanc wurde am 21. Juli 1946 in Minneapolis, Minnesota geboren. Seine Mutter war Angehörige der Sisseton-Dakota, eines Zweigs der Sioux-Nation. Der Vater ist in den offiziellen Dokumenten als „unbekannt“ geführt; nach Angaben der Familie soll er japanisch-amerikanischer Abstammung gewesen sein. LaBlanc wurde seiner Mutter bei der Geburt weggenommen, sie wurde ohne ihre Einwilligung sterilisiert.

Seine Kindheit verbrachte er nach eigener Darstellung in mehr als 100 Pflegestellen und Waisenhäusern bis zum Alter von 15 Jahren.

Mit 22 Jahren zog er in den Vietnamkrieg, nach eigener Aussage ohne das Gefühl, etwas zu verlieren zu haben. Das Marine Corps verzeichnete ihn später als jemanden, der erhebliche Disziplinarprobleme gehabt habe, gleichzeitig aber als effektiven Anführer im Einsatz galt. Er kam 1968 in Vietnam an, nahm an sieben Kampfeinsätzen teil und verließ das Land 1969. Die ehrenwerte Entlassung folgte kurz darauf.

Quelle: Vietnam Era Oral History Project, Minnesota Historical Society Archives

Im Krieg begann er, Gedichte zu schreiben, zunächst nur für sich selbst. Erst als eine Kommilitonin an der Universität sein Notizbuch ohne sein Wissen vorlas, entschied er sich, die Texte weiterzugeben.


American Indian Movement und der Longest Walk

Als LaBlanc 1970 nach Minneapolis zurückkehrte und nach seinen Wurzeln suchte, stieß er auf die American Indian Movement (AIM), die 1968 in Minneapolis gegründet worden war, um gegen Polizeigewalt, Armut und die systematische Diskriminierung indigener Völker vorzugehen.

1978 nahm er am Longest Walk teil, einem spirituellen Marsch von San Francisco nach Washington D.C. über rund 3.200 Meilen. Der Marsch startete am 11. Februar 1978 auf Alcatraz Island. Ziel war es, eine Reihe von Gesetzesentwürfen im US-Kongress zu stoppen, die bestehende Verträge mit indianischen Nationen aufgehoben hätten. Vertreter aus mehr als 100 Nationen marschierten mit. Der Kongress zog die Entwürfe zurück und verabschiedete stattdessen den American Indian Religious Freedom Act.

Hintergrund zum Longest Walk 1978: National Museum of the American Indian

Nach dem Marsch arbeitete LaBlanc für den International Indian Treaty Council (IITC), eine NGO, die mehr als 100 indigene Gruppen aus Nord-, Mittel- und Südamerika sowie dem Pazifikraum vertrat. Dort übernahm er die Koordination des Indigenous Uranium Forum (IUF), einem Netzwerk für indigene Gemeinschaften, die direkt von der Nuklearindustrie betroffen waren. 1986 führte ihn diese Arbeit nach Japan, wo er den Ainu, der indigenen Bevölkerung Hokkaidos, beim Aufbau einer NGO für die UN-Vertretung half.


Tom LaBlanc und der Bundestag 1989

Seine Arbeit für das IUF brachte ihn schließlich nach Bonn. Das Protokoll der Grünen-Fraktionsvorstandssitzung vom 2. Oktober 1989, heute digital zugänglich über die Kommission für Geschichte des Parlamentarismus (KGParl), hält unter Punkt 4.2g wörtlich fest:

„Der Fraktionsvorstand lädt Tom LaBlanc, Direktor des Indigenous Uranium Forum (IUF), zu einem Beratungsgespräch nach Bonn ein (Finanzierungsrahmen DM 2.500)“

Er kam nicht nach Deutschland wegen einer deutschen Schauspielerin. Die Grünen-Fraktion, in jener Zeit die treibende Kraft in Umwelt- und Friedensfragen im Bundestag, hatte ihn als politischen Fachmann für indigene Nuklearrechte eingeladen. An derselben Sitzung stimmte der Vorstand auch über Petra Kellys Reise zum Weltfriedenskongress in Hiroshima ab.

In der deutschen Presseberichterstattung der folgenden Jahre tauchte dieser Hintergrund nicht auf.


Das World Uranium Hearing in Salzburg und Ingrid Steeger

Im September 1992 fand in Salzburg das World Uranium Hearing statt, eine internationale Anhörung, bei der Vertreter aus 27 Ländern und 25 indigenen Nationen über die Folgen von Uranabbau und Atomtests berichteten. Die Abschlusserklärung, die „Declaration of Salzburg“, wurde anschließend der UN-Arbeitsgruppe für indigene Völkerrechte übergeben.

LaBlanc war dort als Direktor des IUF. Ingrid Steeger war als Prominente anwesend, die sich öffentlich für Umweltthemen engagierte. Sie lernten sich bei dieser Veranstaltung kennen und heirateten noch im selben Jahr.


Die Ehe, die Presse und die Federhaube

Er sprach kein Deutsch, sie kaum Englisch. Für Pressefotos trug er indianische Kleidung mit Federhaube, ein Mann, der kurz zuvor in Salzburg ein internationales Hearing zu Nuklearfolgen für indigene Völker mitorganisiert hatte. Der IMDB-Biografie-Eintrag Steegers hält fest, er habe dabei „very uneasy“ ausgesehen.

Das Paar wurde in der Berichterstattung nie „Ingrid und Tom“ genannt. Der feststehende Begriff in der Boulevardpresse war „Ingrid und ihr Indianer.“

LaBlanc verbrachte zunehmend Zeit in den USA für seine politische Arbeit, Steeger blieb in Deutschland. Die Ehe wurde 1995 geschieden.

Steeger sprach in späteren Jahren kaum über ihn. In einem t-online-Interview aus dem Jahr 2017 sagte sie, er habe sie „zur Ehe gezwungen“. Als der Journalist nachhakte, machte sie eine abwehrende Handbewegung: „Kein Kommentar. Zu dem Thema äußere ich mich nie wieder in diesem Leben.“

Über Michael Pfleghar, den Regisseur, von dem sie sagte, er habe sie psychisch zerstört und sie sei „sein Eigentum“ gewesen, sprach sie dagegen offen. Über LaBlanc nicht.


Gedichte in 17 Sprachen: Das literarische Werk

Parallel zu seiner politischen Arbeit veröffentlichte LaBlanc mehrere literarische Werke, von denen ein Teil auf Deutsch erschienen ist:

  • Go Beyond. Indianische Gedichte und kurze Prosa (1992): zweisprachig deutsch/englisch, 150 Seiten, mit eigenen Collagen des Autors, übersetzt von Monika Seiller und Dionys Zink, herausgegeben von der Aktionsgruppe Indianer & Menschenrechte e.V. Unter dem Dakota-Namen Wam-bdi Ta-o-Ki-ye, was „der führende Adler“ bedeutet, signierte er das Buch.
  • Dakota (1995): Ein Gedichtband, der den norwegischen Musiker Åsmund Gylder so beeindruckte, dass dieser LaBlanc kontaktierte und gemeinsam mit ihm eine Single in Norwegen veröffentlichte.
  • Eagle Talk (2002): Eine CD, aufgenommen in Tokio mit den japanischen Musikern Hiroshi Yamaguchi und Hosomi Sakana, entstanden in einer dreitägigen Session, bei der LaBlancs Texte vertont wurden.

Seine Gedichte wurden in 17 Sprachen übersetzt. Laut einem Porträt aus dem Jahr 2005 nutzte eine bolivianische Gewerkschaft mit 70.000 indigenen Mitgliedern einen seiner Texte als politischen Kampfruf.


Nach 1995: New Orleans und die Jahre danach

Nach der Scheidung lebte LaBlanc zeitweise in New Orleans. Dort arbeitete er als Trainer für Antirassismus-Workshops beim People’s Institute for Survival and Beyond und spielte in der Gruppe Red, Black, and Blue Schlagzeug bei Zeremonien der Dakota, die der Beendigung von Gewalt gewidmet sind. Die CD Eagle Talk, 2002 in Tokio aufgenommen, war das letzte dokumentierte kreative Projekt, das sich öffentlich verfolgen lässt.

Ingrid Steeger, die er 1992 in Salzburg kennengelernt hatte, starb am 22. Dezember 2023 in Bad Hersfeld an einem Darmverschluss und wurde am 17. Januar 2024 in einem Friedwald bei Berlin beigesetzt.

Zuletzt meldete sich LaBlanc 2020 öffentlich, mit einem Gedicht über die Covid-19-Pandemie. Im Juli 2026 wird er 80 Jahre alt.


Häufige Fragen

Wer ist Tom LaBlanc?

Thomas LaBlanc, geboren am 21. Juli 1946 in Minneapolis, Minnesota, ist ein amerikanischer Dichter, Schriftsteller und Aktivist der Sisseton-Dakota. Als Ingrid Steegers Ehemann zwischen 1992 und 1995 wurde er in Deutschland bekannt, obwohl er bereits vor dieser Ehe als politischer Akteur in Deutschland präsent war.

Wie lernten sich Tom LaBlanc und Ingrid Steeger kennen?

Sie trafen sich 1992 beim World Uranium Hearing in Salzburg, einer internationalen Anhörung zu den Auswirkungen der Nuklearindustrie auf indigene Völker. LaBlanc war dort als Direktor des Indigenous Uranium Forum tätig.

Warum war LaBlanc 1989 im Deutschen Bundestag?

Der Fraktionsvorstand der Grünen lud ihn als Direktor des Indigenous Uranium Forum zu einem Beratungsgespräch nach Bonn ein. Das Sitzungsprotokoll vom 2. Oktober 1989 weist einen genehmigten Finanzierungsrahmen von 2.500 D-Mark aus.

Welche Bücher hat LaBlanc veröffentlicht?

Auf Deutsch erschien 1992 der Gedichtband Go Beyond. Indianische Gedichte und kurze Prosa. Weitere Werke sind Dakota (1995) und die CD Eagle Talk (2002), aufgenommen in Tokio.

Was bedeutet der Name Wam-bdi Ta-o-Ki-ye?

Unter diesem Dakota-Namen signierte LaBlanc seinen Gedichtband Go Beyond. Die Bedeutung: „der führende Adler.“

Was ist aus Tom LaBlanc geworden?

Er lebt zurückgezogen. Zuletzt meldete er sich 2020 öffentlich zu Wort. Gesicherte Informationen über seinen aktuellen Aufenthaltsort liegen nicht vor.

David Frueh
David Fruehhttps://nachblick.de/
Ich bin seit mehr als zwölf Jahren Journalist. Angefangen habe ich bei lokalen Verlagen in Steinbach, wo ich gelernt habe, was sorgfältige Quellenarbeit im Alltag wirklich bedeutet. In dieser Zeit habe ich in nahezu jedem Ressort gearbeitet: Tagespolitik, Gesellschaft, Wirtschaft, Sport, Kultur, Technik, Boulevardberichterstattung über Prominente, ihre Beziehungen, ihr Leben und die Geschichten, die selten vollständig erzählt werden, aktuelle Debatten, Unterhaltung und alles, was die Menschen im deutschsprachigen Raum täglich beschäftigt. Im Mai 2026 habe ich Nach Blick gegründet, mein eigenes Nachrichtenportal, das mit einem festen Team aus Redakteuren und Rechercheteuren arbeitet. Derselbe Grundsatz gilt seit dem ersten Tag: erst recherchieren, dann veröffentlichen.

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