Im Februar 1984 stand Natascha Giller in einem Fernsehstudio in Lugano vor der Kamera und moderierte eine Livesendung, die in drei Ländern gleichzeitig ausgestrahlt wurde. Sie war 24 Jahre alt, hinter ihr saß ein Orchester. Dann tat sie das nie wieder.
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Aufgewachsen zwischen Lugano und Filmset-Glamour
Geboren wurde sie 1959 in Hamburg. Aufgewachsen ist sie nicht dort, sondern in Castagnola, einem kleinen Ort oberhalb von Lugano im Schweizer Tessin. Ihre Eltern, die Schauspielerin Nadja Tiller und der Schauspieler Walter Giller, hatten sich dort niedergelassen — weit weg von den deutschen Filmstudios, in denen sie in den Fünfzigern und Sechzigern als Traumpaar des deutschsprachigen Kinos bekannt geworden waren.
Die Mutter spielte mit Curd Jürgens, Yul Brynner und Rod Steiger. Ihr Film Das Mädchen Rosemarie lief 1958 beim Filmfestival in Venedig. Der Vater stand für mehr als 600 Bühnenvorstellungen gemeinsam mit ihr auf der Bühne und sagte einmal in einem Interview, er habe sich „immer ein bisschen in Nadjas Schatten gesonnt.“ Natascha sah das alles aus der Nähe — und entschied sich irgendwann für ein ganz anderes Leben.
Ihr jüngerer Bruder Jan-Claudius Giller wurde 1964 in Wien geboren. Er arbeitet heute als Finanzmakler.
Ihre bekannten Auftritte vor der Kamera
Sie war kein unbeschriebenes Blatt. Die dokumentierten Auftritte von 1967 bis 2019:
| Jahr | Sendung | Notiz |
|---|---|---|
| 1967 | Zwischenstation (TV-Serie) | Als sie selbst, gemeinsam mit den Eltern |
| 1977 | 4 + 4 = Wir (ZDF) | Episode „Prominente Väter und Töchter“ |
| 1981 | Stars in der Manege | TV-Dokumentation |
| 1982 | Wetten, dass..? aus Mainz | Als sie selbst |
| Februar 1984 | Schweizer Eurovisions-Vorentscheid | Co-Moderatorin, live aus Lugano |
| März 1984 | NDR Talk Show | Als sie selbst |
| 1985 | Mütter und Töchter (TV-Film) | Schauspielerin, Segment „Teddybären weinen nicht“ |
| 18. Juli 1987 | ARD-Gala Ein Abend für Nadja Tiller und Walter Giller | Als sie selbst |
| März 2019 | NDR Talk Show, Folge 838 | Als sie selbst, gemeinsam mit Nadja Tiller |
Der Eintrag aus Februar 1984 ist der, über den am wenigsten geschrieben wurde.
Der Eurovisions-Vorentscheid 1984 — live aus Lugano
Die Schweizer Rundfunkgesellschaft SRG SSR verpflichtete sie als Moderatorin für den nationalen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 1984. Die Sendung lief am 4. Februar 1984 live aus Lugano, ausgestrahlt auf TV DRS, TSR und TSI — in allen drei Sprachregionen der Schweiz gleichzeitig. Neben ihr stand Ezio Guidi, Mario Robbiani dirigierte das Orchester.
Das war kein kleiner Auftritt. Die SRG SSR ist die nationale Rundfunkgesellschaft der Schweiz, und ein dreisprachiger Livevorentscheid ist sendungstechnisch keine Nebenveranstaltung. Lugano als Sendeort war dabei naheliegend — es war die Stadt, in der ihre Familie seit Jahrzehnten lebte.
Der Auftritt blieb ein einmaliger.
Mannequin, Mutter, Athen
Archivfotos der Fotoagentur Getty Images zeigen sie Anfang der Achtziger an der Seite ihrer Mutter. In den Bildunterschriften wird sie als Mannequin bezeichnet. Ob das eine gezielte Karriere war oder eher gelegentliche Aufträge, lässt sich aus den verfügbaren Quellen nicht abschließend sagen.
Zu einem nicht genau bekannten Zeitpunkt gründete sie eine eigene Familie und zog nach Athen. Das ist kein Gerücht — im Oktober 2012 berichtete die deutsche Zeitschrift Neue Post über ein Familientreffen bei Nadja Tiller in Hamburg und hielt fest: „Tochter Natascha reiste aus Athen an.“ Sie war damals 53 Jahre alt.
Ihre drei Töchter heißen Tatiany, Alexia und Nefeli, alle mit dem Nachnamen Stamatelatos, griechischer Herkunft. Nadja Tiller sprach in demselben Neue Post-Interview über ihre Enkelinnen: „Sie sind die Sonne meines Alters.“
Der Tod von Walter Giller — und eine Familie, die zusammenhält
Walter Giller starb am 15. Dezember 2011 in Hamburg. Er wurde 84 Jahre alt, war zuvor an Lungenkrebs erkrankt. Das Ehepaar hatte seinen Hauptwohnsitz in Lugano über fünfzig Jahre gehalten, bevor beide 2008 gemeinsam ins Augustinum an der Hamburger Elbe zogen, eine Seniorenresidenz mit Blick auf den Fluss.
Wenige Monate nach seinem Tod kamen alle Enkelkinder nach Hamburg. Natascha reiste aus Athen an. Ihre Nichte Josephine, Tochter von Jan-Claudius, kam aus London. Nadja Tiller saß in ihrem Apartment, schaute in Fotoalben. An der Wand hing ein Foto von Walter Giller mit hellblauem Hut, das ein Mitbewohner des Hauses gemacht hatte. „Eines der schönsten Bilder, die ich aus den letzten Jahren von ihm habe“, sagte sie der Neuen Post.
Nadja Tillers Tod — und was Natascha Giller der Presse sagte
Nadja Tiller starb in der Nacht vom 20. auf den 21. Februar 2023 im Augustinum in Hamburg. Sie wurde 93 Jahre alt.
Am frühen Morgen rief ein Pfleger Natascha an. Noch am selben Tag wandte sie sich an die Bild-Zeitung. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) übernahm ihre Aussage und leitete sie bundesweit weiter:
„Meine Mutter starb heute Nacht im Augustinum in Hamburg. Sie schlief im Beisein eines Pflegers friedlich ein.“
Auf die Frage nach den letzten Stunden:
„Sie war nicht allein, dafür sind wir als Familie sehr dankbar.“
Eine Todesursache nannte sie nicht. Zwei Tage später reiste sie mit ihrem Bruder Jan-Claudius nach Hamburg, um die Beerdigung zu organisieren. Ihre Mutter hatte sich eine Seebestattung gewünscht.
März 2023: Benefizverkauf im Logensaal der Hamburger Kammerspiele
Einen Monat nach dem Tod ihrer Mutter stand Natascha Giller mit ihren Töchtern Tatiany und Alexia Stamatelatos im Logensaal der Hamburger Kammerspiele. Die Familie hatte beschlossen, den persönlichen Nachlass von Nadja Tiller und Walter Giller zugunsten von Hamburg Leuchtfeuer zu verkaufen — einer Hamburger Organisation für Trauerbegleitung und Hospizarbeit.
Auf den Tischen lagen Möbel, Antiquitäten, Bücher, Gemälde und seltene alte Filmplakate. Und Nadja Tillers Teddybär.
Am 25. März 2023 kamen Fans, Sammler und Weggefährten. Am Ende des Tages standen 15.000 Euro für die Stiftung.
Die Hamburger Kammerspiele war die letzte Bühne gewesen, auf der Nadja Tiller in Hamburg aufgetreten war. Natascha wählte diesen Raum. Danach fuhr sie wieder nach Hause.
Was bekannt ist — und was nicht
Natascha Giller wurde 1959 in Hamburg geboren, wuchs in Castagnola bei Lugano auf und lebte seit mindestens 2012 in Athen. Sie hat drei Töchter. Über ihren Partner und ihre berufliche Tätigkeit in Griechenland ist nichts öffentlich bekannt. Der letzte bestätigte öffentliche Auftritt war der Benefizverkauf im März 2023.
Walter Giller hatte einmal beschrieben, was die lange Ehe mit Nadja Tiller zusammengehalten hatte: „Vertrautschaft“ — sein Wort für ein Mittelding zwischen Vertrauen und inniger Freundschaft. Es ist ein Satz, der etwas über seine Tochter erklärt, ohne dass sie je selbst ein Wort darüber verloren hat.
Quellen: Deutsche Presse-Agentur (dpa), Hamburg Leuchtfeuer e.V., IMDb, Neue Post / Wunderweib (Oktober 2012), Wikipedia — Switzerland in the Eurovision Song Contest 1984, Filmportal.de, Getty Images / Peter Bischoff, Steffi-Line Biographien

