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Barbara Engholm heute: Was über die Malerin wirklich bekannt ist

Barbara Engholm ist Malerin, Jahrgang 1940. Ihr Mann Björn Engholm, der frühere Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, gibt bis heute Interviews und tritt öffentlich auf. Barbara Engholm selbst hat sich seit mehr als drei Jahrzehnten nicht öffentlich geäußert.

An fehlenden Spuren liegt das nicht. Norddeutsche Auktionshäuser verzeichnen ihre Bilder noch immer, und ein parlamentarischer Streit aus dem Jahr 1991 trägt in den Archiven bis heute ihren Namen.



Steckbrief: Barbara Engholm auf einen Blick

Geburtsjahr1940
GeburtsortHamburg
BerufMalerin
KunststilAbstrakte Malerei, Collage und Mischtechnik auf Papier
AusbildungAutodidaktisch
EhemannBjörn Engholm (verheiratet seit 1964)
TöchterBritt und Kerstin
DokumentationNormdateneintrag, Deutsche Nationalbibliothek

Aus Hamburg nach Norddeutschland

Barbara Engholm wurde 1940 in Hamburg geboren. 1964 heiratete sie Björn Engholm, der damals Ende zwanzig war und seine politische Karriere in der SPD gerade begann. Das Paar hat zwei Töchter, Britt und Kerstin, und lebt seit Jahrzehnten in Norddeutschland.

Als Björn Engholm 1988 zum Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein gewählt wurde, trat Barbara Engholm gerade als Malerin öffentlich in Erscheinung. Die drei Jahre zwischen 1989 und 1991 sind die am dichtesten dokumentierten ihres künstlerischen Lebens.

Ihren Mädchennamen und ihr genaues Geburtsdatum hat sie nie öffentlich mitgeteilt. Auch über die Jahre vor der Ehe ist nichts dokumentiert. Eine Kunstakademie hat Barbara Engholm nicht besucht; ihr Weg zur Malerei war autodidaktisch.


Die Künstlerin: Stil, Ausstellungen, Kooperationen

Ihre Arbeiten sind in Auktionskatalogen präzise erfasst: gegenstandslose Malerei, Collage und Mischtechnik auf Papier, teils großformatig. Das Auktionshaus HanseArt in Lübeck versteigerte mehrere ihrer Werke und vermerkte als Herkunft „Privatsammlung Norddeutschland, erworben beim Künstler“. Unter den versteigerten Losen findet sich ein Lot aus dem Jahr 1988, Collage und Mischtechnik auf Papier, signiert „Engholm“.

1989 erschienen Bilder von Barbara Engholm im Euterpe, dem Jahrbuch für Literatur in Schleswig-Holstein, neben Arbeiten von Brigitta Borchert und Jens Rusch.

1990 folgte ihre Einzelausstellung in der Galerie Amsa in Hamburg. Zur Vernissage kamen der Pianist Justus Frantz und der Komponist Friedhelm Döhl. Mit Döhl erarbeitete sie das Medea-Projekt: abstrakte Bilder von ihr, Musik von Döhl, dokumentiert in einem Katalog mit zwölf Farbabbildungen. Ein Begleitplakat zum Projekt ist im Antiquariatshandel bis heute nachweisbar.


1991: Als ihre Bilder zum Politikum wurden

Im März 1991 kaufte das Präsidium des Kieler Landtages zwei ihrer Arbeiten für das schleswig-holsteinische Landeshaus: Traum und Brief an Erich Mühsam, benannt nach dem Schriftsteller und Anarchisten, den die Nationalsozialisten 1934 im KZ Oranienburg ermordeten. Der Gesamtpreis betrug 7.500 Mark.

Parlamentssprecher Joachim Köhler stellte klar, dass verwandtschaftliche Verhältnisse bei der Auswahl keine Rolle gespielt hätten. CDU-Geschäftsführer Meinhart Füllner fragte dennoch öffentlich, ob es politisch der richtige Stil sei, die „autodidaktische Kunst“ der Ehefrau des Regierungschefs in der Lobby des Landeshauses aufzuhängen.

Das Wort autodidaktisch trat dabei als Einwand gegen ihre Qualifikation auf, verpackt in eine Stilfrage. Wer autodidaktisch malt, so die Logik dahinter, verdanke den Platz an der Wand dem Nachnamen, nicht der Arbeit.

Die taz veröffentlichte die dpa-Meldung am 4. März 1991. Barbara Engholm äußerte sich nicht dazu.

Zwei Jahre später, 1993, trat Björn Engholm als Ministerpräsident zurück, als öffentlich wurde, dass er von einer gegen ihn gerichteten Verleumdungskampagne in der Barschel-Affäre früher gewusst hatte als von ihm angegeben. Der Landtagsstreit um ihre Bilder blieb der letzte belegte Moment, in dem Barbara Engholm in der überregionalen Berichterstattung als eigenständige Figur auftauchte.


Was von der Malerin aktuell bekannt ist

Seitdem stammen die Belege über Barbara Engholm fast ausschließlich aus Auktionskatalogen und der öffentlichen Biografie ihres Mannes.

Was sich nachvollziehen lässt:

  • Das Lübecker Auktionshaus HanseArt verzeichnet ihre Bilder mit der Provenienzangabe „Privatsammlung Norddeutschland, erworben beim Künstler“. Das deutet darauf hin, dass sie Werke zeitweise direkt verkaufte.
  • Die Deutsche Nationalbibliothek führt sie als eigenständige Künstlerin mit eigenem Normdateneintrag, getrennt von der Dokumentation ihres Mannes.
  • Barbara und Björn Engholm sind seit 1964 verheiratet; Stand 2026 sind das 62 Jahre. Belege für ihr Ableben existieren nicht; Texte der SPD aus dem Jahr 2025 beschreiben Björn Engholm als jemanden, der die künstlerische Arbeit seiner Frau weiterhin aktiv unterstützt.
  • Im Oktober 2024 war Björn Engholm bei einer Veranstaltung des Lübecker Seniorenbeirats öffentlich präsent und gab im Sommer 2025 ein Interview über Kunst und kulturelle Bildung.
  • Björn Engholm gründete 2001 das Kulturforum Schleswig-Holstein und erhielt im Dezember 2022 die Willy-Brandt-Medaille.

Was nicht öffentlich dokumentiert ist:

  • Mädchenname und genaues Geburtsdatum finden sich in keiner öffentlichen Quelle, weder in Zeitungsarchiven noch in der Deutschen Nationalbibliothek.
  • Kein Interview und kein öffentlicher Satz von ihr über ihre eigene Kunst ist bekannt.
  • Ausstellungen nach den frühen 1990er Jahren sind nicht belegt.

Björn Engholm tritt bis heute öffentlich auf. Von Barbara Engholm gibt es, Stand 2026, keine neuen Ausstellungen, keine Interviews und keine öffentlichen Auftritte. Für sich selbst gesprochen hat sie, zumindest öffentlich, nie.

David Frueh
David Fruehhttps://nachblick.de/
Ich bin seit mehr als zwölf Jahren Journalist. Angefangen habe ich bei lokalen Verlagen in Steinbach, wo ich gelernt habe, was sorgfältige Quellenarbeit im Alltag wirklich bedeutet. In dieser Zeit habe ich in nahezu jedem Ressort gearbeitet: Tagespolitik, Gesellschaft, Wirtschaft, Sport, Kultur, Technik, Boulevardberichterstattung über Prominente, ihre Beziehungen, ihr Leben und die Geschichten, die selten vollständig erzählt werden, aktuelle Debatten, Unterhaltung und alles, was die Menschen im deutschsprachigen Raum täglich beschäftigt. Im Mai 2026 habe ich Nach Blick gegründet, mein eigenes Nachrichtenportal, das mit einem festen Team aus Redakteuren und Rechercheteuren arbeitet. Derselbe Grundsatz gilt seit dem ersten Tag: erst recherchieren, dann veröffentlichen.

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