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Mia Guethe: Vom HSV-Fan zur 11FREUNDE-Journalistin

Mia Guethe schreibt seit Ende 2023 für das Fußballmagazin 11FREUNDE und gehörte 2025 zu dem Team, das gemeinsam mit Correctiv eine der größten deutschen Recherchen zu Gewalt im Jugendfußball veröffentlichte. Bekannt wurde sie allerdings auf einem anderen Weg: als Betreiberin eines Fan-Accounts zum Hamburger SV, den sie mit dreizehn Jahren eröffnete.

Als ihr Volontariat bei 11FREUNDE im November 2023 begann, brachte sie bereits rund 29.000 Follower mit. Die journalistische Ausbildung kam nach der Reichweite, nicht davor. Bei den meisten ihrer Kolleginnen und Kollegen war das umgekehrt.



Wer ist Mia Guethe?

Geboren wurde sie am 6. Juni 2002 in Hamburg. Heute lebt sie in Berlin, wo sie Politikwissenschaft studierte. Bei 11FREUNDE, dem monatlichen Magazin für Fußballkultur aus dem Haus der Spiegel Gruppe, ist aus der Volontärin mittlerweile eine feste Redakteurin geworden.

Die wichtigsten Stationen im Überblick:

JahrEreignis
2015Eröffnung des Fan-Accounts @hsviftie mit 13 Jahren
2023Beginn des Volontariats bei 11FREUNDE
2024Erster Fernsehauftritt bei Hart aber fair
2024Start des Podcasts In Kontakt bleiben
2025Recherche mit Correctiv zu Gewalt im Jugendfußball
2025Auszeichnung als Team des Jahres, medium magazin

Ihr Account auf X zählt heute mehr als 29.600 Follower, auf Instagram folgt ihr eine ähnlich große Gruppe unter @miaguethe.


Vom Fan-Account zur Redaktion

Wer die alten Beiträge von @hsviftie durchsieht, findet wenig, das nach Bewerbungsmappe aussieht. Kommentare zu Schiedsrichterentscheidungen, Spott über die eigene Mannschaft, Fußball als Alltag statt als Beruf. Für 11FREUNDE war das offenbar kein Nachteil: eine Stimme, die schon eine Community hatte, bevor sie einen einzigen Artikel geschrieben hatte.

Guethe moderiert inzwischen das tägliche Format Themenfrühstück mit, gemeinsam mit Kollegen wie Tobias Ahrens und Tim Jürgens. Seit August 2024 spricht sie außerdem im Podcast In Kontakt bleiben mit Felix Rathfelder über Fußball, jeden Montag, produziert von Early Studios.

Ihren ersten großen öffentlichen Moment erlebte sie im Ersten, bei Hart aber fair.


Der Fernsehauftritt, der sie bekannt machte

Am 19. Februar 2024 saß Mia Guethe bei Hart aber fair dem Hannover 96 Präsidenten Martin Kind gegenüber. Thema war der geplante Investoreneinstieg bei der DFL und die sogenannte 50+1 Regel, die Bundesligaklubs vor einer Mehrheitsübernahme durch externe Geldgeber schützen soll. Kind wollte sein eigenes Abstimmungsverhalten bei der Entscheidung nicht offenlegen. Guethe, damals 21 und ohne einen einzigen Fernsehauftritt zuvor, hielt ihm vor, dass ihm die Meinung seiner Fans schon früher egal gewesen sei.

Der Auftritt machte sie über die Fußballszene hinaus bekannt, und er passt zu einem Muster in ihrer Arbeit: Guethe positioniert sich immer wieder auf der Seite der Fans, gegen Kommerzialisierung und für die 50+1 Regel als Schutz der Vereinskultur.


Die Recherche, die alles verändert hat

Im September 2025 veröffentlichte 11FREUNDE gemeinsam mit dem Recherchezentrum Correctiv eine Reportage unter dem Titel Gewalt im Jugendfußball, die für deutlich mehr Aufmerksamkeit sorgte als jeder frühere Text der Redaktion. Guethe gehörte zum Team, zusammen mit Kolleginnen und Kollegen wie Charlotte Hermel und Tim Pommerenke.

Über den CrowdNewsroom von Correctiv meldeten sich zwischen dem 25. März und dem 1. August 2025 fast 500 Menschen mit eigenen Erfahrungen. Die Ergebnisse im Überblick:

  • Mindestens 37 Strafverfahren wurden seit 2020 in Deutschland wegen Gewaltdelikten gegen Minderjährige im Fußball dokumentiert, meist begangen von Trainern
  • Mindestens 130 Betroffene sind über mehr als 1.000 einzelne Taten hinweg erfasst
  • Über 100 Befragte geben an, ihre ersten Gewalterfahrungen bereits im Kinderfußball zwischen 6 und 10 Jahren gemacht zu haben
  • Die geschilderten Taten reichen von heimlichen Filmaufnahmen über unsittliche Berührungen bis zu sexualisierter Gewalt und Vergewaltigung
  • Die Übergriffe fanden auf Vereinsgeländen, in Privaträumen und auf Fußballcamps statt

Die Befragung ist ausdrücklich nicht repräsentativ. Die Resonanz kam trotzdem sofort: Noch am Erscheinungstag griffen der Spiegel, das ARD Morgenmagazin, die Sportschau und der Deutschlandfunk die Recherche auf. SPD, Grüne und Linke forderten kurz darauf eine gezielte Aufarbeitung der Fälle.

Im Dezember 2025 zeichnete das medium magazin das Rechercheteam in der Kategorie Team als eines der Journalistinnen und Journalisten des Jahres 2025 aus, gemeinsam mit weiteren Kolleginnen und Kollegen der Spiegel Gruppe in Kategorien wie Wissenschaft, Reportage national, Politik und Wirtschaft.

Wer die vollständige Recherche nachlesen möchte, findet sie direkt bei Correctiv sowie auf der zugehörigen Themenseite zu Gewalt im Jugendfußball.


Der Widerspruch, der bleibt

Guethes öffentliche Haltung stützt sich seit Jahren auf eine bestimmte Idee von Fußball: Vereine, die ihren Fans gehören, eine Kultur, die auf Nähe statt auf Geld baut, und die 50+1 Regel als Schutz genau dieses Systems.

Ihre bisher wichtigste journalistische Arbeit zeigt nun, dass in diesem geschützten, basisnahen System über Jahre hinweg Kinder Gewalt erlebt haben, während Vereine und Verbände damit, in den Worten ihres eigenen Rechercheteams, heillos überfordert waren. Die Institution, die sie verteidigt, ist dieselbe, die ihre eigene Recherche belastet. Eine öffentliche Einordnung dieses Spannungsverhältnisses hat Guethe bislang nicht geliefert.


Der DFB und der Streit um den Safe Sport Code

Ein Detail aus der Recherche zeigt, wie tief das Problem sitzt: Als Ende 2024 ein verbindlicher Safe Sport Code für den organisierten Sport zur Debatte stand, war der DFB der einzige olympische Sportverband, der sich dagegen sperrte. Genau in dessen Strukturen fanden Guethe und ihr Team die dokumentierten Fälle.

Weitere Angaben zur Rolle der Redaktion und zu Guethes Position bei 11FREUNDE finden sich auf der Personenseite der Deutschen Akademie für Fußball Kultur, die sie als Redakteurin führt.


Der aktuelle Stand

Mitte 2026 ist Guethe weiterhin fester Bestandteil der 11FREUNDE Redaktion. Anfang Juli sprach sie in Berlin bei einer Veranstaltung über Fußball und den Umgang mit Trauer und Tod. Für Ende Juli ist in Nürnberg ein weiteres Gespräch angekündigt, diesmal zur laufenden Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko, Kanada und den USA, für die 11FREUNDE bereits im Mai ein Sonderheft veröffentlicht hat.

Das Thema Gewalt im Jugendfußball hat das Team nach der Auszeichnung im Dezember 2025 nicht liegen lassen. Guethe deutete auf LinkedIn an, dass sich ihr Team auch im folgenden Jahr weiter mit dem Thema befassen und stärker über die systematischen Missstände im deutschen Fußball aufklären wolle.

Ihre Karriere begann mit einem Fan-Account zum Hamburger SV und führte zu einer Recherche, die die Fankultur belastet, für die sie seit Jahren öffentlich eintritt. Eine Einordnung dieses Widerspruchs hat sie bisher nicht veröffentlicht.

David Frueh
David Fruehhttps://nachblick.de/
Ich bin seit mehr als zwölf Jahren Journalist. Angefangen habe ich bei lokalen Verlagen in Steinbach, wo ich gelernt habe, was sorgfältige Quellenarbeit im Alltag wirklich bedeutet. In dieser Zeit habe ich in nahezu jedem Ressort gearbeitet: Tagespolitik, Gesellschaft, Wirtschaft, Sport, Kultur, Technik, Boulevardberichterstattung über Prominente, ihre Beziehungen, ihr Leben und die Geschichten, die selten vollständig erzählt werden, aktuelle Debatten, Unterhaltung und alles, was die Menschen im deutschsprachigen Raum täglich beschäftigt. Im Mai 2026 habe ich Nach Blick gegründet, mein eigenes Nachrichtenportal, das mit einem festen Team aus Redakteuren und Rechercheteuren arbeitet. Derselbe Grundsatz gilt seit dem ersten Tag: erst recherchieren, dann veröffentlichen.

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