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Nathalie Benko: Freispruch, trotzdem 2 Millionen Euro fällig

Nathalie Benko wurde von einem Strafgericht vom Vorwurf freigesprochen, ihrem Mann René Benko beim Verstecken von Vermögen geholfen zu haben. Ein Zivilgericht kam bei derselben Geldsumme zu einem anderen Schluss und verurteilte sie zur Rückzahlung von zwei Millionen Euro an die Insolvenzmasse ihres Mannes. Beide Urteile sind noch nicht rechtskräftig, und genau dieser Widerspruch macht ihren Fall gerade zu einem der meistbeachteten der österreichischen Justiz.



Die wichtigsten Fakten zur Person:

  • Geboren 1983 in Lausanne als Nathalie Sterchele
  • Frühere Springreiterin (Tiroler Juniorenmeisterin 1999) und Model (dritter Platz „Metropolitan Austria Top Model“ 2002)
  • Verheiratet mit René Benko seit März 2010, drei gemeinsame Kinder
  • Alleinige Eigentümerin der NB Immo GmbH in Innsbruck, Anlagevermögen laut Jahresbericht 2024 bei 22,7 Millionen Euro

Ein Freispruch, eine Rückzahlung

Kurz nach 17 Uhr am 10. Dezember 2025 umarmten sich im Landesgericht Innsbruck zwei Menschen, die sich elf Monate lang nicht berühren durften. René Benko nahm an diesem Tag ein Urteil mit: 15 Monate Haft auf Bewährung wegen betrügerischer Krida, jenem Straftatbestand, der die Verschiebung von Vermögen zulasten von Gläubigern in einer Insolvenz erfasst. Neben ihm saß seine Frau, zum ersten Mal selbst angeklagt, wegen Beitragstäterschaft: Sie soll geholfen haben, Bargeld, Luxusuhren und Ringe im Wert von rund 370.000 Euro vor den Gläubigern zu verstecken. Richterin Heide Maria Paul sprach sie im Zweifel frei. Es habe zwar Verdachtsmomente gegeben, vor allem die zeitliche Nähe zur drohenden Pleite der Signa Holding, aber keine ausreichenden Beweise für eine strafbare Beteiligung. Ein erheblicher Teil der Wertgegenstände im Tresor gehöre laut Gericht ohnehin ihr selbst.

Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnen konnte: Ein anderes Gericht sollte sechs Monate später über dasselbe Geld ganz anders entscheiden. Am 10. Juni 2026 verurteilte das Landesgericht Innsbruck Nathalie Benko in einem separaten Zivilverfahren zur Rückzahlung von zwei Millionen Euro plus vier Prozent Zinsen an die Insolvenzmasse ihres Mannes, eine weitere Forderung über 850.000 Euro wies es ab. Grundlage war eine Überweisung, die René Benko seiner Frau im Jänner 2023 unter dem Verwendungszweck „Eigenkapital für Immobilieninvestments“ hatte zukommen lassen. Das Gericht glaubte der Erklärung nicht, dabei habe es sich um eine Art Zusatzunterhalt gehandelt, und wertete die Zahlung stattdessen als unentgeltliche Zuwendung, die eigentlich den Gläubigern zusteht. Sowohl Nathalie Benko als auch Masseverwalter Andreas Grabenweger legten Berufung ein, sodass der Fall vermutlich vor dem Oberlandesgericht Innsbruck landen wird. Der Freispruch aus dem Dezember hatte nur geklärt, ob sie sich strafbar gemacht hat, nicht ob sie das Geld behalten darf.


Wer ist Nathalie Benko?

Nathalie Sterchele wuchs in Lausanne auf und besuchte dort die katholische Privatschule École Mont-Olivet. In ihrer Jugend war sie in zwei sehr unterschiedlichen Bereichen erfolgreich: 1999 wurde sie Tiroler Juniorenmeisterin im Springreiten, 2002 belegte sie beim Wettbewerb „Metropolitan Austria Top Model“ den dritten Platz. Zur Staatsbürgerschaft gibt es widersprüchliche Angaben in der Presse: Der Spiegel bezeichnete sie als gebürtige Österreicherin, das Magazin NEWS als gebürtige Schweizerin.

Im März 2010 heiratete sie den damals bereits aufstrebenden Immobilienunternehmer René Benko, dessen Signa Holding einmal zu den größten Immobilienkonzernen Europas zählte, bevor sie Ende 2023 mit Milliardenschulden zusammenbrach. René Benko sitzt seit Jänner 2025 in Untersuchungshaft. Das Paar hat drei gemeinsame Kinder.


Vom Model zur Immobilienunternehmerin

Nathalie Benko arbeitete zunächst als Assistentin ihres Mannes bei der Signa Holding. Später baute sie mit dessen Kapital eine eigene Firmenstruktur auf, allen voran die NB Immo GmbH mit Sitz in Innsbruck, an der sie zu hundert Prozent beteiligt ist, dazu verbundene Gesellschaften in Deutschland und auf Ibiza. Auf der Baleareninsel besitzt sie zwei Fincas, die Villa Bora und die Villa Mach, für deren Erwerb und Renovierung unter anderem Kredite der familieneigenen Laura Privatstiftung geflossen sind.

René Benko selbst gab im Insolvenzverfahren an, seiner Frau zwischen 2014 und 2023 anlassbezogene Geschenke im Wert von rund 7,9 Millionen Euro gemacht zu haben. Dem Spiegel zufolge kommen weitere 15,5 Millionen Euro hinzu, die zwischen 2018 und 2023 unter dem Titel Eigenkapital für Immobilieninvestment auf ihr Konto überwiesen wurden, zusätzlich zum monatlichen Unterhalt von 10.500 Euro. Auch ein Lamborghini Urus Performante, bezahlt von der Signa Holding, gehört zu diesen Zuwendungen.


Der Tresor in Pfunds

Im März 2024 fanden Ermittler der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft bei Verwandten des Ehepaars im Tiroler Ort Pfunds einen versteckten Safe. Er lag in einem ehemaligen Bunkerraum, verborgen hinter Weinkartons und Putzmitteln. Darin: 120.000 Euro Bargeld, mehrere Luxusuhren, die den Söhnen des Paares geschenkt worden sein sollen, und sieben Damenringe mit einem geschätzten Gesamtwert von 5,5 Millionen Euro. Ein einzelner Platinring mit Diamanten, gekauft beim Juwelier Harry Winston in Zürich, soll allein umgerechnet mehr als zwei Millionen Euro wert sein.

Nathalie Benkos Anwalt Michael Hohenauer argumentierte vor Gericht, der Tresor habe nichts mit der drohenden Insolvenz zu tun gehabt. Der Familie sei damals bereits klar gewesen, dass sie ihre Villa in Innsbruck Igls verlassen müsse, und die Wertsachen seien deshalb in Sicherheit gebracht worden. René Benkos Verteidiger Norbert Wess wies die Vorwürfe seinerseits zurück und verwies darauf, dass Geschenke dieser Größenordnung innerhalb der Familie nichts Ungewöhnliches gewesen seien.


Der Streit um die Ringe

Während Uhren und Bargeld Teil des Strafprozesses waren, blieben die sieben Ringe außen vor. Die Staatsanwaltschaft sah darin keine strafrechtliche Relevanz mehr und entschied sich, sie freizugeben. Wem sie aber gehören, ist bis heute offen. Die Schmuckstücke liegen inzwischen beim Bezirksgericht Innere Stadt Wien, und laut Recherchen des Magazins profil haben im Mai 2026 sowohl Nathalie Benko als auch Masseverwalter Andreas Grabenweger die Herausgabe beantragt. Eine Entscheidung steht weiterhin aus.


Die Scheidung, die keine war

Im März 2025 berichtete das Portal oe24, Nathalie Benko habe die Scheidung eingereicht. Mehrere internationale Medien, darunter Bild und Berliner Zeitung, übernahmen die Meldung. Im November 2025 klagte Nathalie Benko drei dieser Medien und gewann vor dem Landesgericht Innsbruck. Das Gericht sah darin eine unzulässige Bloßstellung ihres Privatlebens nach dem Mediengesetz. Belegt ist die Scheidung bis heute nicht, auch wenn das Gerücht seither immer wieder auftaucht.


Wie es weitergeht

Der größere Fall um René Benko bleibt in Bewegung. Am 2. Juli 2026 bestätigte der Oberste Gerichtshof den Schuldspruch aus dessen erstem Krida-Prozess als rechtskräftig, hob aber Teilfreispruch und Strafmaß auf und verwies diese Punkte zur neuerlichen Verhandlung zurück. Für Nathalie Benko selbst bleiben zwei Fragen konkret offen: ob das Oberlandesgericht Innsbruck die Rückzahlung der zwei Millionen Euro bestätigt oder kippt, und wem das Bezirksgericht Innere Stadt Wien die Ringe aus dem Tresor von Pfunds am Ende zuspricht. Beide Verfahren laufen derzeit parallel, ein Termin für eine Entscheidung steht in keinem der beiden Fälle fest.


Quellen: ORF Tirol, news.at, profil.at, taz.de, nachrichten.at

David Frueh
David Fruehhttps://nachblick.de/
Ich bin seit mehr als zwölf Jahren Journalist. Angefangen habe ich bei lokalen Verlagen in Steinbach, wo ich gelernt habe, was sorgfältige Quellenarbeit im Alltag wirklich bedeutet. In dieser Zeit habe ich in nahezu jedem Ressort gearbeitet: Tagespolitik, Gesellschaft, Wirtschaft, Sport, Kultur, Technik, Boulevardberichterstattung über Prominente, ihre Beziehungen, ihr Leben und die Geschichten, die selten vollständig erzählt werden, aktuelle Debatten, Unterhaltung und alles, was die Menschen im deutschsprachigen Raum täglich beschäftigt. Im Mai 2026 habe ich Nach Blick gegründet, mein eigenes Nachrichtenportal, das mit einem festen Team aus Redakteuren und Rechercheteuren arbeitet. Derselbe Grundsatz gilt seit dem ersten Tag: erst recherchieren, dann veröffentlichen.

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