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Claus Alexander Sachs: Wer er ist und was belegt ist

Am 15. September 1993 geht bei einer Kanzlei auf den Cookinseln ein Fax aus Zürich ein. Zwei Jahrzehnte später taucht in genau diesem Firmengeflecht der Name Claus Alexander Sachs auf, der jüngste Sohn von Gunter Sachs. Absender des Fax ist Lenz & Staehelin, eine der bekanntesten Wirtschaftskanzleien der Schweiz. Es geht um die Gründung einer Firma namens Triton Ltd. Zwei Monate später sitzt ein Mann namens Hanswerner Schwenk im Flugzeug nach Rarotonga, mehr als vierzig Stunden unterwegs von München aus. Schwenk arbeitet zu diesem Zeitpunkt seit über zwanzig Jahren als Privatsekretär für den Unternehmer und Fotografen Gunter Sachs. Vor Ort unterschreibt er Papiere zur Aktienausgabe. Sein eigener Name taucht in keinem Dokument als Eigentümer auf, der Name Sachs ebenfalls nicht.

Claus Alexander Sachs ist in den Papieren, die aus genau diesem System auf den Cookinseln stammen, als Begünstigter mehrerer Treuhandurkunden geführt. Über kaum einen deutschen Erben seiner Generation existieren derart viele notariell dokumentierte Papiere und gleichzeitig so wenig öffentlich bekannte Fakten zu seinem eigenen Leben.



Wer ist Claus Alexander Sachs?

Claus Alexander Sachs wurde 1982 geboren, als jüngster Sohn von Gunter Sachs und dessen dritter Ehefrau, dem schwedischen Fotomodell Mirja Larsson. In Fotoarchiven und in der deutschen Presse taucht er häufig unter seinem Spitznamen Halifax auf.

Zur Familie im Überblick:

  • Vater: Gunter Sachs (1932 bis 2011), deutsch-schweizerischer Industriellenerbe, Fotograf, Dokumentarfilmer und dritter Ehemann von Brigitte Bardot
  • Mutter: Mirja Larsson, geboren 1943, ehemaliges schwedisches Fotomodell, seit November 1969 mit Gunter Sachs verheiratet
  • Bruder: Christian Gunnar Sachs, geboren 1971, ebenfalls Sohn von Mirja Larsson
  • Halbbruder: Rolf Sachs, geboren 1955, Sohn aus der ersten Ehe von Gunter Sachs mit Anne Marie Faure, heute als Künstler und Bühnenbildner tätig

Zwei Industriedynastien in einer Generation

Die Familie Sachs steht an der Kreuzung zweier deutscher Industriegeschichten. Väterlicherseits stammt Claus Alexander Sachs von Willy Sachs ab, dem Alleininhaber der Kugellager- und Motorenwerke Fichtel & Sachs, aus denen später der Zulieferer ZF Sachs hervorging. Über seinen Vater führt die Linie außerdem zu Elinor von Opel, Enkelin des Opel-Gründers Adam Opel.

Gunter Sachs selbst wurde vor allem als Fotograf, Dokumentarfilmer und durch seine Ehe mit Brigitte Bardot bekannt. Weniger bekannt ist, wie er sein Vermögen über Jahrzehnte hinweg organisierte. An genau dieser Stelle taucht der Name seines jüngsten Sohnes zum ersten Mal in belastbaren Dokumenten auf.


Der Tod von Gunter Sachs und ein Abschiedsbrief

Am 7. Mai 2011 erschießt sich Gunter Sachs im Alter von 78 Jahren in seinem Chalet in Gstaad. In einem Abschiedsbrief, den die Familie später zur Veröffentlichung freigab, nennt er die Angst vor einer nicht heilbaren Erkrankung als Grund. Mehrere deutsche Medien berichteten übereinstimmend, dass es sich dabei um eine Alzheimer-Diagnose handelte.

Das Nachlassinventar, unterzeichnet am 6. Juli 2012 von zwei Testamentsvollstreckern, bezifferte sein Vermögen auf 470 Millionen Schweizer Franken. Ein Teil seiner Kunstsammlung wurde im Mai 2012 bei Sotheby’s versteigert und erzielte laut Wikipedia einen Erlös von umgerechnet 36,5 Millionen britischen Pfund.


Die Cookinseln-Akte: Was die Offshore-Leaks über Claus Alexander Sachs zeigen

Im April 2013 veröffentlichte ein Team der Süddeutschen Zeitung gemeinsam mit dem Internationalen Konsortium für Investigative Journalisten (ICIJ), der Schweizer SonntagsZeitung und dem NDR eine Recherche zu Gunter Sachs. Die Journalisten Bastian Obermayer, Frederik Obermaier, Titus Plattner und Miranda Patrucić werteten dafür geleakte Dokumente aus, die zeigen, wie Sachs über achtzehn Jahre hinweg, von 1993 bis zu seinem Tod 2011, ein Firmengeflecht auf den Cookinseln aufbaute.

Kern der Struktur waren zwei Briefkastenfirmen, Triton Ltd. und Tantris Ltd., die als Treuhänder für fünf Trusts fungierten. Diese fünf Trusts, Moon Crystal Trust, Espan Water Trust, Sequoia Trust, Triton Trust und Parkland Oak Trust, wurden laut der Recherche zwischen 1994 und 2007 errichtet.

Für zwei dieser Trusts sind die genauen Daten öffentlich dokumentiert. Der Parkland Oak Trust wurde laut seiner Gründungsurkunde am 18. Mai 1994 errichtet, mit den drei Söhnen von Gunter Sachs, Rolf, Christian Gunnar und Claus Alexander, als Begünstigten. Den Rechercheergebnissen zufolge galt dieselbe Konstruktion für drei der vier weiteren Trusts. Der Triton Trust wiederum wurde laut der Offshore-Leaks-Datenbank des ICIJ am 10. April 2007 gegründet, mit Claus Alexander Sachs als Begünstigtem seit dem 17. März 2005 und einer Londoner Adresse als Kontaktangabe.

Die Recherche richtete sich gegen die Deklarationspraxis von Gunter Sachs selbst, nicht gegen seine Söhne. Der Schweizer Steueranwalt Andreas Kolb erklärte gegenüber der Süddeutschen Zeitung, dass Vermögen in solchen Trusts rechtlich dem Gründer zugerechnet werde und deshalb bei den Steuerbehörden angegeben werden müsse. Den Söhnen als Begünstigten wurde in der Berichterstattung kein eigenes Fehlverhalten vorgeworfen. Ein Kommentar in den Deutschen Wirtschafts Nachrichten kritisierte 2013 sogar ausdrücklich, dass in der öffentlichen Debatte fälschlich der Eindruck entstanden sei, den Kindern von Gunter Sachs werde eine Straftat vorgeworfen.


Was heute über sein Leben bekannt ist

Ausgerechnet dieser Kommentar liefert die einzige konkrete Angabe zum Beruf von Claus Alexander Sachs, die sich öffentlich finden lässt. Zitiert wird darin ein Profil aus der ursprünglichen Recherche von Süddeutscher Zeitung und NDR, wonach er als Fotograf arbeitet, ähnlich wie sein Vater.

Weder ein Interview noch sein aktueller Wohnort oder eine Verbindung zu einem Unternehmen lassen sich öffentlich belegen. Fotoarchive wie Getty Images oder IMAGO zeigen ihn überwiegend auf älteren Aufnahmen mit seinen Eltern in St. Tropez. Die letzte bekannte Aufnahme, die ihn unabhängig von seinen Eltern zeigt, stammt von der Münchner Premiere des Films „Bad Boys II“, dokumentiert im Bildarchiv von Getty Images. Der Film kam 2003 in die Kinos.

Seitdem ist über zwei Jahrzehnte lang keine neue öffentlich bestätigte Information über sein Leben bekannt geworden, auch nicht nach der Veröffentlichung der Offshore-Leaks-Recherche 2013, die seinen Namen erstmals einem breiteren Publikum bekannt machte.

Quellen: ICIJ, Süddeutsche Zeitung Recherche zu Gunter Sachs, ICIJ Offshore-Leaks-Datenbank, Swissinfo, Nachruf Gunter Sachs, Wikipedia, Gunter Sachs

David Frueh
David Fruehhttps://nachblick.de/
Ich bin seit mehr als zwölf Jahren Journalist. Angefangen habe ich bei lokalen Verlagen in Steinbach, wo ich gelernt habe, was sorgfältige Quellenarbeit im Alltag wirklich bedeutet. In dieser Zeit habe ich in nahezu jedem Ressort gearbeitet: Tagespolitik, Gesellschaft, Wirtschaft, Sport, Kultur, Technik, Boulevardberichterstattung über Prominente, ihre Beziehungen, ihr Leben und die Geschichten, die selten vollständig erzählt werden, aktuelle Debatten, Unterhaltung und alles, was die Menschen im deutschsprachigen Raum täglich beschäftigt. Im Mai 2026 habe ich Nach Blick gegründet, mein eigenes Nachrichtenportal, das mit einem festen Team aus Redakteuren und Rechercheteuren arbeitet. Derselbe Grundsatz gilt seit dem ersten Tag: erst recherchieren, dann veröffentlichen.

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