Top 5 dieser Woche

Ähnliche Artikel

Martina Wziontek: Architektin und Ehefrau von Böttinger

Martina Wziontek ist Architektin in Köln und Gründerin der Hilfsorganisation Burundikids. Bekannt wurde sie über die Domstadt hinaus vor allem durch ihre Ehe mit der langjährigen WDR-Moderatorin Bettina Böttinger und durch das Bundesverdienstkreuz, das sie 2021 für ihr Engagement in Ostafrika erhielt.

Am 30. Juni jenes Jahres heftet Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker ihr die Auszeichnung im Historischen Rathaus an. Wziontek bedankt sich mit einem Satz, den sie seither oft wiederholt hat: Die Ehrung gelte dem ganzen Team, nicht ihr allein.



Auf einen Blick

BerufFreiberufliche Architektin, Büro in Köln-Südstadt
AusbildungArchitekturstudium an der FH Hagen, danach FH Köln (heute TH Köln)
GründungBurundikids e.V., 2003
AuszeichnungBundesverdienstkreuz, 30. Juni 2021
EheMit Bettina Böttinger, seit 4. Juli 2016
Funktion heuteEhrenamtliche Vorsitzende von Burundikids e.V.

Die Architektin aus Köln

Wziontek ist Mitglied der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen und dort mit eigenem Eintrag in der Online-Architektenliste geführt. Studiert hat sie zunächst an der FH Hagen, später an der FH Köln, der heutigen TH Köln. Bis heute betreibt sie ihr eigenes Büro in der Südstadt.

Überregional bekannt wurde sie jedoch durch eine Reise nach Ostafrika, die zwei Jahrzehnte zurückliegt.


Eine Reise nach Ruanda verändert alles

2002 begleitet die Kölnerin die Kriegs- und Krisenfotografin Ursula Meissner nach Ruanda. Von dort macht sie einen Abstecher nach Burundi, damals eines der am wenigsten beachteten Länder weltweit. Sie trifft die deutsche Krankenschwester Verena Stamm, die dort bereits seit Jahren lebt und zwei Kinderheime aufgebaut hat. Stamm äußert einen Wunsch: eine Schule für die Kinder vor Ort.

Ihre eigene Reaktion darauf fasste Wziontek gegenüber DOMRADIO später in einem Satz zusammen: „Als Architektin kann ich ja was tun.“ Zurück in Köln gründet sie 2003 gemeinsam mit acht weiteren Mitgliedern den Verein Burundikids. Für jedes Gebäude, das seither entstanden ist, hat sie die Pläne selbst gezeichnet.


Drei Bauprojekte in zwanzig Jahren

Seither sind in Burundi drei größere Bauprojekte entstanden:

  • Ecole Polyvalente Carolus Magnus (EPCM), Kajaga bei Bujumbura Eröffnet im September 2006, vollständig fertiggestellt nach zehn Jahren Bauzeit. Heute lernen dort täglich knapp 850 Kinder. Im Erdgeschoss befindet sich eine Lehrapotheke.
  • Ecole Technique Omnis (ETO), Gitega 2008 zunächst als Ausbildungszentrum gestartet, seit 2013 vollwertige Berufsschule mit Ausbildungsgängen in Elektromechanik, Telekommunikation und Informatik. Bis November 2023 haben 816 junge Menschen dort ihre Ausbildung abgeschlossen.
  • Thilo Kehrer Center (TKC), Gitega Eröffnet im Juni 2022, entstanden in Zusammenarbeit mit dem deutschen Fußballnationalspieler Thilo Kehrer, dessen Mutter aus Burundi stammt. Zur Eröffnung reisten Kehrer, der deutsche Botschafter Dieter Reinl und der burundische Ombudsmann an. Heute laufen dort Kurse in Informatik, traditionellem Tanz, Trommeln und Erster Hilfe.

Unterstützt wird die Arbeit auch von der offiziellen Länderpartnerschaft zwischen Baden-Württemberg und Burundi. Seit 2008 beteiligt sich zudem eine Arbeitsgruppe aus Karlsruhe an einzelnen Projekten.


Bundesverdienstkreuz für ihr Engagement

Bei der Verleihung 2021 sagte Wziontek laut der Mitteilung von Burundikids e.V.: „Ich empfinde diese Auszeichnung als Anerkennung und Wertschätzung unserer Arbeit, stellvertretend für das ganze Team von BURUNDI KIDS.“ Zu dem Zeitpunkt bestand der Verein bereits 18 Jahre. Über die vielen Reisen nach Burundi sagte sie, persönliche Schicksale der Menschen dort hätten sie immer wieder bewegt.

Organisatorisch ist Burundikids bis heute schlank aufgestellt. Der Vorstand besteht aus vier ehrenamtlichen Mitgliedern mit Wziontek als Vorsitzende. Bezahlt wird eine einzige Stelle, besetzt mit Philipp Ziser, der selbst mehrere Jahre in Burundi gelebt hat. Vor Ort arbeitet der Verein mit der Fondation Stamm von Verena Stamm-Ndorimana zusammen, die laut Wziontek die eigentliche Grundlage jedes Projekts bildet.


An der Seite von Bettina Böttinger

Am 4. Juli 2016, an Böttingers 60. Geburtstag, gehen die beiden Frauen in Köln eine eingetragene Partnerschaft ein. Nach Inkrafttreten der Ehe für alle am 1. Oktober 2017 wandeln sie diese in eine vollständige Ehe um. Böttinger nannte Wziontek öffentlich ihren Fels in der Brandung. Das Paar lebt heute zwischen einer Wohnung in Köln und einem Haus in der Eifel.

Die Verbindung zwischen beiden reicht dabei deutlich weiter zurück als die Hochzeit. Ein Foto im Kölner Stadt-Anzeiger vom 26. März 2005 zeigt Wziontek bereits gemeinsam mit Böttinger und dem damaligen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Peer Steinbrück bei einem Termin für Burundikids, mehr als ein Jahrzehnt bevor die beiden Frauen heirateten.

Böttinger selbst moderierte den Kölner Treff beim WDR 17 Jahre lang und beendete die Sendung am 27. Oktober 2023. Seit 2025 ist sie mit dem wöchentlichen Podcast „Zwischen den Zeilen“ zu hören, produziert von ihrer eigenen Firma Encanto. Mehr zu ihrer Karriere lässt sich im Wikipedia-Artikel über Bettina Böttinger nachlesen. Eine ausführliche Meldung zur Auszeichnung Wzionteks findet sich zudem im Kölner Lokalteil von Express.


Wzionteks Burundikids im Jahr 2026

Der Verein bleibt auch im laufenden Jahr aktiv. Zu Jahresbeginn 2026 veröffentlichte Burundikids mehrere Updates: neue Berichte zur Berufsschule ETO und zum Thilo Kehrer Center, eine Meldung zu einer Überschwemmung in Gatumba, die den Schulbetrieb zeitweise beeinträchtigte, sowie Fortschritte im Mental-Health-Projekt und Neuigkeiten aus dem Kinderheim Birashoboka für Straßenkinder. Wziontek führt den Verein weiterhin als Vorsitzende. Zum 20-jährigen Bestehen 2023 sagte sie rückblickend: „Ich habe damals angefangen, ohne dass ich überhaupt wusste, worauf ich mich einlasse.“ Für die Zukunft wünscht sie sich, dass jüngere Menschen die Arbeit langfristig übernehmen.


Was über ihr Privatleben bekannt ist

Wer nach dem Geburtsdatum von Martina Wziontek sucht, findet keine Angabe. Weder im Impressum ihres Architekturbüros noch im Vereinsregister von Burundikids noch in über zwanzig Jahren lokaler Presseberichterstattung taucht ihr Alter auf. Auch zu ihrer Kindheit oder ihren Eltern gibt es keine öffentlich zugänglichen Informationen. Fast jedes Zitat, das von ihr überliefert ist, bezieht sich auf die Arbeit von Burundikids, kaum eines auf sie selbst als Privatperson.

Für die Kinder in Kajaga und Gitega, die heute in den von ihr geplanten Gebäuden lernen, spielt das keine Rolle. In der öffentlichen Geschichte rund um Wziontek bleibt es die eine Stelle, an der die sonst gut dokumentierten Fakten enden.

David Frueh
David Fruehhttps://nachblick.de/
Ich bin seit mehr als zwölf Jahren Journalist. Angefangen habe ich bei lokalen Verlagen in Steinbach, wo ich gelernt habe, was sorgfältige Quellenarbeit im Alltag wirklich bedeutet. In dieser Zeit habe ich in nahezu jedem Ressort gearbeitet: Tagespolitik, Gesellschaft, Wirtschaft, Sport, Kultur, Technik, Boulevardberichterstattung über Prominente, ihre Beziehungen, ihr Leben und die Geschichten, die selten vollständig erzählt werden, aktuelle Debatten, Unterhaltung und alles, was die Menschen im deutschsprachigen Raum täglich beschäftigt. Im Mai 2026 habe ich Nach Blick gegründet, mein eigenes Nachrichtenportal, das mit einem festen Team aus Redakteuren und Rechercheteuren arbeitet. Derselbe Grundsatz gilt seit dem ersten Tag: erst recherchieren, dann veröffentlichen.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Beliebte Artikel