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Cheyassin Secka: Der Bericht, der ihm das Amt kostete

Pap Cheyassin Secka war Generalstaatsanwalt Gambias, als ihn Präsident Yahya Jammeh am 30. Januar 2001 entließ. Kurz zuvor hatte Secka selbst vor Journalisten in Banjul aus einem Untersuchungsbericht vorgelesen, der die Schüsse auf protestierende Schüler im April 2000 straffrei ließ. In den meisten Texten über Secka gilt allein die Entlassung als das eigentliche Unrecht, während kaum zur Sprache kommt, was er zuvor selbst öffentlich vorgetragen hatte.

Der Name Cheyassin Secka taucht in Deutschland auch in einem völlig anderen Zusammenhang auf: als Bruder und Geschäftspartner des NBA-Spielers Dennis Schröder in Braunschweig. Mit dem gambischen Juristen hat dieser Mann nichts zu tun. Dieser Text handelt von Pap Cheyassin Secka, dem Anwalt und früheren Justizminister Gambias.



Frühe Jahre und Ausbildung

Pap Cheyassin Ousman Secka wurde im Juni 1942 in der damaligen Gambia Colony and Protectorate geboren, wie das „Historical Dictionary of The Gambia“ von Arnold Hughes und David Perfect dokumentiert. Nach der Schule an der Methodist Boys‘ High School im heutigen Banjul arbeitete er ab 1962 zunächst als Lehrer, bevor er Mitte der 1960er Jahre in die USA ging. An der American University in Washington D.C. erwarb er 1968 einen Bachelorabschluss, ein Jahr später folgte der Master. Ein Stipendium führte ihn anschließend an die Columbia University. 1973 wurde er in England als Anwalt zugelassen und kehrte im selben Jahr nach Gambia zurück, wo er eine eigene Kanzlei eröffnete.


Oppositionsführer unter Jawara

1975 gründete Secka gemeinsam mit fünf weiteren Gambiern die National Liberation Party, eine Oppositionspartei gegen die Regierung von Präsident Dawda Jawara. Die Gründung fiel bewusst auf den Jahrestag des Todes von Kwame Nkrumah, wie ein zeitgenössischer Bericht der Zeitung Foroyaa aus dem Jahr 2007 festhält. Die erste öffentliche Kundgebung der Partei fand am 4. Oktober 1975 in Banjul statt, Secka kritisierte dort steigende Lebenshaltungskosten und mangelnde Bildungschancen im Land. Er reiste anschließend selbst durch die Provinzen, unter anderem zu einer Kundgebung im Sami Cinema Hall in Basse im August 1975. Bei den Parlamentswahlen 1977 trat er im Wahlkreis Sabach Sanjal an. Nach Angaben des deutschsprachigen Wikipedia-Eintrags zur Partei erhielt er dabei 226 Stimmen, umgerechnet 4,37 Prozent, und verlor auch eine spätere Nachwahl in Banjul Central. 1980 löste er die Partei auf.


Zwölf Jahre in Mile Two

Nach dem gescheiterten Putschversuch von Kukoi Samba Sanyang im Juli 1981 wurde Secka wegen angeblicher Beteiligung verurteilt. Die gambische Zeitung The Point berichtete, er habe fast zwölf Jahre im Gefängnis Mile Two gesessen, bevor er begnadigt wurde. Nach seiner Freilassung arbeitete er, laut dem deutschsprachigen Wikipedia-Eintrag zu seiner Person, wieder als niedergelassener Anwalt in Banjul.


Generalstaatsanwalt unter Jammeh

Im Jahr 2000 ernannte Präsident Yahya Jammeh Secka zum Generalstaatsanwalt und Justizminister Gambias. Er trat die Nachfolge von Fatou Bensouda an, die später Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs wurde. Ein Mann, der selbst Jahre wegen politischer Vorwürfe im Gefängnis gesessen hatte, stand nun an der Spitze des gambischen Justizapparats. In seine Amtszeit fiel eines der folgenreichsten Ereignisse der Jammeh-Ära.


Der Bericht vom April 2000

Am 10. und 11. April 2000 schossen gambische Sicherheitskräfte in Banjul auf protestierende Schüler und Studierende. 14 junge Menschen und ein Journalist starben, mehr als 80 wurden verletzt. Ausgelöst worden war der Protest durch zwei Vorfälle: den Tod eines Schülers nach Misshandlung durch Feuerwehrleute und die Vergewaltigung einer Schülerin durch einen Polizeibeamten.

Eine Untersuchungskommission benannte anschließend konkrete Sicherheitskräfte als verantwortlich für die Schüsse. Die Nationalversammlung verabschiedete daraufhin 2001 einen Indemnity Act, der diese Kräfte rechtlich absicherte, wie die Rechercheplattform JusticeInfo.net dokumentiert. Secka verlas den Untersuchungsbericht im Januar 2001 persönlich vor der Presse. Am 30. Januar 2001 entließ ihn Jammeh.

Gambias spätere Wahrheitskommission TRRC empfahl ein lebenslanges Verbot öffentlicher Ämter für Jammeh und ein zehnjähriges für die damalige Vizepräsidentin Isatou Njie Saidy, wegen ihrer Rolle in den Ereignissen von 2000. Der Indemnity Act selbst ist bis heute nicht aufgehoben, wie das Rechtsportal Law Hub Gambia dokumentiert.


Tod und Nachruf

Pap Cheyassin Secka starb am 29. März 2012 in Gambia nach kurzer Krankheit und einem Herzinfarkt. Bei einer Trauerfeier im Gerichtsgebäude von Banjul beschrieb ihn ein Kollege namens M’Bai laut The Point als Mann von außergewöhnlicher Geistesschnelligkeit und moralischem Mut. Der 10. April 2000 kam in dieser Würdigung nicht vor.


Zwei Rollen, eine Akte

Secka saß über ein Jahrzehnt im Gefängnis für einen Putsch, an dem er nach eigener Darstellung nie beteiligt war. Später verlas er als oberster Jurist Gambias einen Bericht, der die Straflosigkeit für den Tod von 14 Schülern besiegelte. Eine eigene Erklärung dazu, wie er diese beiden Rollen für sich vereinbarte, ist nicht überliefert. Er starb zwei Jahre bevor die TRRC ihre Arbeit aufnahm und ihn dazu hätte befragen können. Die Familien der getöteten Schüler warten nach Angaben von JusticeInfo.net bis heute auf eine Entschädigung durch den gambischen Staat.


Quellen: Wikipedia: Pap Cheyassin Secka · The Point Gambia: Bar, Bench honour Pap Cheyassin Secka · The Point Gambia: April 10/11 2000 student massacre victims demand justice · JusticeInfo.net: Gambia, twenty years later, student victims still crying out for justice · Law Hub Gambia: The Gambia, Indemnity Act

David Frueh
David Fruehhttps://nachblick.de/
Ich bin seit mehr als zwölf Jahren Journalist. Angefangen habe ich bei lokalen Verlagen in Steinbach, wo ich gelernt habe, was sorgfältige Quellenarbeit im Alltag wirklich bedeutet. In dieser Zeit habe ich in nahezu jedem Ressort gearbeitet: Tagespolitik, Gesellschaft, Wirtschaft, Sport, Kultur, Technik, Boulevardberichterstattung über Prominente, ihre Beziehungen, ihr Leben und die Geschichten, die selten vollständig erzählt werden, aktuelle Debatten, Unterhaltung und alles, was die Menschen im deutschsprachigen Raum täglich beschäftigt. Im Mai 2026 habe ich Nach Blick gegründet, mein eigenes Nachrichtenportal, das mit einem festen Team aus Redakteuren und Rechercheteuren arbeitet. Derselbe Grundsatz gilt seit dem ersten Tag: erst recherchieren, dann veröffentlichen.

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