Lilian Mitrou lehrt Datenschutz- und Informationsrecht an der Universität der Ägäis. Die Griechin promovierte in Frankfurt bei Spiros Simitis, saß in der griechischen Datenschutzbehörde und leitete 2014 die EU-Ratsarbeitsgruppe DAPIX. Ihr formeller Vorname lautet Evangelia. Als Lia Mitrou führt sie keines der geprüften Profile.
Inhaltsverzeichnis
Kurzprofil der Datenschutzjuristin
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Name | Evangelia (Lilian) Mitrou, griechisch Λίλιαν Μήτρου |
| Fach | Datenschutzrecht, Informationsrecht, Recht der Künstlichen Intelligenz |
| Hochschule | Universität der Ägäis; Gastprofessuren an der Wirtschaftsuniversität Athen und der Universität Piräus |
| Promotion | Goethe-Universität Frankfurt |
| Ämter | Hellenische Datenschutzbehörde, Ratsarbeitsgruppe DAPIX (Vorsitz), Nationaler Rat für Rundfunk und Fernsehen |
| Institut | Präsidentin des Instituts für Datenschutzrecht, Privatsphäre und Technologie der European Public Law Organization (EPLO) |
Frankfurt: Mitrou und ihr Doktorvater Spiros Simitis
Mitrou studierte Rechtswissenschaft in Athen und promovierte an der Frankfurter Goethe-Universität bei Spiros Simitis (1934 bis 2023). Die Forschungsstelle Datenschutz der Universität nennt ihn den „Vater des Datenschutzes“ und führt ihn als Gründer ihres Instituts. Spiros Simitis und Kostas Simitis, der frühere griechische Ministerpräsident, sind zwei verschiedene Personen. Für den Ministerpräsidenten arbeitete Mitrou später als Beraterin.
Ihre Dissertation erschien 1993 bei Nomos in Baden-Baden unter dem Titel Die Entwicklung der institutionellen Kontrolle des Datenschutzes. Sie vergleicht, wie die Bundesrepublik und Frankreich die Aufsicht über Datenverarbeitung aufbauen.
Mitrou zum Recht auf Vergessenwerden und zur Pandemie
Auf Syntagma Watch, dem Portal des Athener Zentrums für Europäisches Verfassungsrecht, stehen unter anderem zwei Beiträge von ihr. Die Zusammenfassungen lauten sinngemäß:
Mai 2019, „Was bedeutet das Recht auf Vergessenwerden?“: Das Recht beschreibt den Anspruch einer Person, dass ihre Vergangenheit nicht ständig durch Berichte über frühere Ereignisse hervorgeholt wird. Das digitale Umfeld unterbreche mit seiner „Architektur des perfekten Gedächtnisses“ den Prozess des Vergessens in der Gesellschaft.
März 2020, Beitrag zu personenbezogenen Daten in der Corona-Pandemie: Demokratische Staaten müssten auf Notlagen reagieren und dabei Leben und Freiheit schützen. Die Pandemie dürfe nicht zum Auslöser neuer Formen staatlicher oder gesellschaftlicher Kontrolle oder eines allgemeinen Eindringens in das Privatleben werden.
Die Zitate sind aus dem Griechischen übersetzt. In beiden Texten geht es um den Zugriff auf persönliche Informationen, im ersten durch die Öffentlichkeit, im zweiten durch den Staat.
Von der Regierungsberatung zur Ratsarbeitsgruppe
In Athen arbeitet Mitrou als Rechtsanwältin, ein Konferenzprofil nennt 1994 als Zulassungsjahr. Sie beriet Ministerpräsident Simitis zu Informationsgesellschaft, Verwaltung und unabhängigen Aufsichtsbehörden, gehörte der Hellenischen Datenschutzbehörde an und wirkte in Gesetzgebungsausschüssen zu Datenschutz, elektronischer Kommunikation und E-Government mit. Den Ausschuss, der das griechische Recht an die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und die Richtlinie für den Polizeibereich anpasste, leitete sie selbst. Die DSGVO legt seit 2018 EU-weit fest, wie Unternehmen und Behörden personenbezogene Daten verarbeiten dürfen.
In der Ratsarbeitsgruppe DAPIX für Informationsaustausch und Datenschutz beraten Vertreter der Mitgliedstaaten über Gesetzesvorhaben. Laut dem Forschungsinstitut ELIAMEP führte Mitrou dort die griechische Delegation bei den Verhandlungen über beide Rechtsakte und hatte während der griechischen Ratspräsidentschaft den Vorsitz.
| Zeitraum | Station |
|---|---|
| 1989 bis 1993 | Studium und Promotion in Frankfurt |
| 1996 bis 2004 | Beraterin von Ministerpräsident Kostas Simitis |
| 1998 bis 2004 | Griechische Vertreterin im Datenschutzausschuss der EU-Kommission |
| 1999 bis 2003 | Mitglied der Hellenischen Datenschutzbehörde |
| 2014 | Vorsitz der Ratsarbeitsgruppe DAPIX |
| Juni 2016 | Vorsitz des Ausschusses zur Anpassung des griechischen Rechts an die DSGVO |
| 2016 bis 2023 | Nationaler Rat für Rundfunk und Fernsehen |
| Seit Mai 2023 | Expertengruppe Künstliche Intelligenz der Nationalen Bioethik- und Technoethik-Kommission |
Veröffentlichungen zu DSGVO und KI
Mitrou schreibt auf Griechisch, Deutsch und Englisch. Ihr Google-Scholar-Profil verzeichnet mehr als 2.000 Zitierungen. Auf Griechisch erschienen bei Sakkoulas 2012 das Buch Die Öffentlichkeit der Sanktion oder die Sanktion der Öffentlichkeit (sinngemäß übersetzt) und 2017 ein Band zur DSGVO. 2013 schrieb sie mit Mylonas, Meletiadis und Gritzalis in Computers & Security über Smartphone-Daten als Beweismittel. Die Studie Data protection, artificial intelligence and cognitive services: Is the GDPR artificial intelligence-proof? stammt von 2018. 2021 folgte mit Janssen und Loukis ein Beitrag über menschliche Kontrolle bei KI-Entscheidungen der Verwaltung.
Künstliche Intelligenz: Ethikgremium und Aufsicht
Seit Mai 2023 sitzt Mitrou in der Expertengruppe für Künstliche Intelligenz der Nationalen Kommission für Bioethik und Technoethik. Die Kommission wurde durch das Gesetz 4780/2021 eingerichtet und berichtet an den Ministerpräsidenten. Die Gruppe erarbeitet Empfehlungen zu ethischen Fragen von KI-Anwendungen.
Laut ihrem Profil beim Portal PatrasIQ gehört Mitrou auch einer Untergruppe des AI Board für Hochrisiko-Systeme an sowie einer griechischen Arbeitsgruppe zur Anpassung des nationalen Rechts an die EU-KI-Verordnung. Das AI Board koordiniert die einheitliche Anwendung der Verordnung in den Mitgliedstaaten. Als Hochrisiko gelten nach den EU-Regeln etwa KI-Systeme in Bildung, Beschäftigung, Grenzkontrolle und Justiz.
Die griechische Regierung will die Datenschutzbehörde zur Aufsicht über KI-Systeme machen, sagte Digitalminister Dimitris Papastergiou der Zeitung Naftemporiki. Den Gesetzentwurf brachte sie laut Legal 500 im Juli 2026 ein. Es ist die Behörde, der Mitrou früher angehörte. Die Frage, welche Stelle die Datenverarbeitung beaufsichtigt, war bereits Thema ihrer Dissertation von 1993.
Die EPLO kündigte Mitrou als Rednerin der vierten Konferenz „Quo Vadis AI?“ am 4. Juni 2026 in Athen an.
Kurz beantwortet
Wer ist Lilian Mitrou?
Eine griechische Juristin und Professorin für Datenschutz- und Informationsrecht an der Universität der Ägäis.
Wie schreibt sich Lia Mitrou richtig?
Die Profile führen Lilian Mitrou, formell Evangelia (Lilian) Mitrou. Eine Schreibweise Lia Mitrou kommt darin nicht vor.
Wo promovierte sie?
An der Goethe-Universität Frankfurt bei Spiros Simitis.
Stand: Oktober 2026. Quellen: ELIAMEP, Universität der Ägäis, Goethe-Universität Frankfurt, Nationale Kommission für Bioethik und Technoethik, Syntagma Watch, EPLO, Google Scholar, PatrasIQ, Naftemporiki, Legal 500.

