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Luisa Ancelotti: Torwartin, Hubschrauberpilotin und Mutter — ihr Leben und Tod

Luisa Gibellini, die als Luisa Ancelotti bekannt wurde, war die erste Frau des Fußballtrainers Carlo Ancelotti. Sie heirateten 1983. Die Ehe dauerte fast drei Jahrzehnte. Das steht in jedem Artikel über sie.

Was nicht drin steht: dass sie mit einundvierzig Jahren in Reggio Emilia den Hubschrauberschein machte. Dass sie als Torwartin in mehreren Frauenfußballvereinen der Emilia-Romagna gespielt hatte, zu einer Zeit, als das in Italien kaum jemand tat. Dass sie nach der Scheidung in das Dorf zurückging, in dem sie aufgewachsen war, und dort bis zu ihrem Tod blieb.

Irgendwann sagte ihre Tochter Katia dem Corriere della Sera: „Ich habe keine Erinnerung an ein Weihnachten am Tisch mit der ganzen Familie. Unsere Weihnachten waren in Milanello. Mama war immer irgendwo anders.“ Sie sagte es mit dem ruhigen Ton einer Frau, die lange gebraucht hatte, um zu verstehen, was sie als Kind nicht verstand. Sie nannte es „il senso di indipendenza di mia madre“, den Unabhängigkeitssinn ihrer Mutter. Dieser Satz steht in keinem der vielen Artikel über Luisa Gibellini.



Herkunft: Ein Dorf südlich von Parma

Luisa Gibellini wurde 1958 in Medesano geboren, Provinz Parma, Emilia-Romagna. Aufgewachsen ist sie in Felegara, einem Ortsteil von Medesano so klein, dass er auf den meisten Karten nicht einmal auftaucht. Flache Felder, Weinberge, wenige tausend Einwohner.

Sie lernte Carlo Ancelotti als Kind kennen. Beide kamen aus derselben Region. Als Carlo 1983 Mittelfeldspieler bei der AS Roma war, heirateten sie. Luisa war fünfundzwanzig Jahre alt.

Schon zu dieser Zeit war sie eine aktive Sportlerin mit einem eigenständigen Sportleben, das mit Carlo wenig zu tun hatte.

  • Sie spielte Torwartin in mehreren Amateurvereinen der Emilia-Romagna, wie die Gazzetta di Parma nach ihrem Tod berichtete, in einer Zeit, als organisierter Frauenfußball in Italien noch in den Anfängen steckte.
  • Davor war sie Softballspielerin als Empfängerin, in einer Sportart, die in Norditalien in den 1980ern eine kleine, aber ernsthafte Szene hatte.
  • Sie spielte regelmäßig Tennis und trat dabei gelegentlich auch gegen Carlo selbst an.
  • Als Carlo Trainer beim AC Milan war, war sie regelmäßig in Milanello präsent. Die Gazzetta di Parma beschrieb sie als feste Größe an seinem Trainingsgelände.

Der Hubschrauberschein: Was wirklich dahintersteckt

1999 machte Luisa Gibellini ihren Pilotenschein für Hubschrauber in Reggio Emilia. Sie war einundvierzig Jahre alt. Carlo trainierte damals Juventus Turin.

Die meisten Artikel, die das erwähnen, beschreiben es als Zeichen ihrer Hingabe, als hätte sie das Fliegen für ihn gelernt.

Die Gazzetta di Parma berichtete, wie sie danach regelmäßig von Felegara bis zum Trainingsgelände Milanello flog, um Carlo nach dem Training abzuholen. Il Resto del Carlino, eine der großen Tageszeitungen der Region, schilderte denselben Alltag.

Wer mit einundvierzig Jahren einen Pilotenschein macht, tut das aus eigenem Antrieb. Der Hubschrauber war ein Werkzeug, das sie selbst bediente, auf Strecken, die sie selbst wählte, und dass sie ihn auch für Carlo nutzte, beschreibt ihre Ehe, aber nicht den Grund, warum sie fliegen lernte.

Das schärfste Bild aus dieser Zeit: Am 14. Mai 2000, einem Abend, der in die Geschichte von Juventus einging, verlor das Team im strömenden Regen gegen Perugia. Der Scudetto ging an Lazio. Carlo Ancelotti, damals Cheftrainer, hatte gerade eine der bittersten Niederlagen seiner Karriere erlebt, und Luisa flog ihn im Dunkeln über die Poebene nach Hause.


25 Jahre Ehe, die Scheidung und das Leben danach

Während Carlo Ancelottis Karriere ihn von Parma über Juventus und den AC Milan nach Chelsea, Paris und Madrid führte, blieb Luisa in Felegara verwurzelt.

Die Ehe, die 1983 begonnen hatte, endete mit der Trennung 2008, als Carlo die Scheidung gegenüber der Presse bestätigte. Die Scheidung wurde 2010 beim Gericht in Parma rechtskräftig. Carlo Ancelotti heiratete 2014 die kanadische Unternehmerin Mariann Barrena McClay in Vancouver.

Luisa Gibellini führte danach kein öffentliches Leben mehr. Sie gab keine Interviews, trat nicht öffentlich auf und ging keine neue Beziehung ein. Die Gazzetta di Parma schrieb nach ihrem Tod, dass sie in den Jahren nach der Scheidung zwar in verschiedenen Teilen Italiens gelebt hatte, die Verbindung zu Medesano und Felegara aber nie abgerissen war. Viele Freundschaften aus ihrer Jugend hatte sie über Jahrzehnte gepflegt. Als sie krank wurde, war sie zu Hause.


Katia und Davide Ancelotti

Luisa Gibellini und Carlo Ancelotti haben zwei Kinder.

Katia Ancelotti wurde am 18. April 1984 in Rom geboren, als Carlo noch bei der AS Roma spielte. Sie versuchte sich 2004 als Sängerin in der dritten Staffel von Amici di Maria De Filippi, der bekanntesten Talentshow Italiens, schied aber früh aus. Heute lebt sie in Madrid, führt die Modemarke Debate Clothing und betreibt das Weingut Tenuta il Poggio. Seit 2014 ist sie mit Beniamino Fulco verheiratet, einem Ernährungsberater, der auch für Carlo beim SSC Napoli tätig war. Die beiden haben drei Kinder: Alessandro (2015), Andrea (2018) und Aurora.

Es war Katia, die im Gespräch mit dem Corriere della Sera das klarste Porträt ihrer Mutter zeichnete. Kein Weihnachten am Familientisch, Milanello als Kindheitserinnerung, und am Ende kein Vorwurf, sondern der stille Respekt einer Tochter, die die Unabhängigkeit ihrer Mutter mit den Jahren verstehen gelernt hatte.

Davide Ancelotti wurde am 22. Juli 1989 in Parma geboren und ist seit dem 1. Juni 2026 Cheftrainer des französischen Erstligisten Lille OSC. Er ist seit 2022 mit der spanischen Künstlerin Ana Galocha verheiratet. Ihre Zwillingssöhne Lucas und Leonardo wurden im Januar 2019 geboren.


Tod am 24. Mai 2021

Am 24. Mai 2021 starb Luisa Gibellini im Krankenhaus von Reggio Emilia. Sie war 63 Jahre alt. Sie hatte seit Jahren gegen eine degenerative Erkrankung gekämpft. Die genaue Diagnose hat die Familie nie öffentlich gemacht, und die italienische Presse, darunter die Gazzetta di Parma und Il Resto del Carlino, respektierte diesen Umstand.

Carlo Ancelotti war zu diesem Zeitpunkt Trainer von Everton. Sein Team hatte am letzten Spieltag der Premier League 2020/21 0:5 gegen Manchester City verloren. Noch in derselben Nacht flog er nach Italien.

Die Gazzetta di Parma berichtete, dass die Nachricht in Medesano und der Umgebung viele Menschen tief getroffen hatte, ein Zeichen dafür, wie lebendig Luisa Gibellinis Verbindung zur Region bis zuletzt geblieben war.


Medesano, die Gazzetta und ein Satz ihrer Tochter

Die Gazzetta di Parma beschrieb Luisa Gibellini als Frau, die ihren Sport mit echter Freude betrieb und diese Begeisterung bis ins Alter behielt. Die italienische Sportpresse erinnerte daran, dass sie bei den beruflichen Stationen ihres Mannes von Anfang an präsent war, aber immer als eigenständige Person mit eigenen Interessen, nicht als Begleiterin.

Was in fast keinem Artikel über sie steht: dass sie nach der Scheidung allein zurück nach Hause fuhr und dort blieb, ohne öffentlichen Kommentar, ohne Auftritte, ohne eine neue Geschichte. Sie lebte so, wie sie es immer getan hatte.

Katia Ancelotti hat das vielleicht am genauesten in Worte gefasst. „Ho capito con il tempo il senso di indipendenza di mia madre.“ Ich habe mit der Zeit den Unabhängigkeitssinn meiner Mutter verstanden.


Quellen:

David Frueh
David Fruehhttps://nachblick.de/
Ich bin seit mehr als zwölf Jahren Journalist. Angefangen habe ich bei lokalen Verlagen in Steinbach, wo ich gelernt habe, was sorgfältige Quellenarbeit im Alltag wirklich bedeutet. In dieser Zeit habe ich in nahezu jedem Ressort gearbeitet: Tagespolitik, Gesellschaft, Wirtschaft, Sport, Kultur, Technik, Boulevardberichterstattung über Prominente, ihre Beziehungen, ihr Leben und die Geschichten, die selten vollständig erzählt werden, aktuelle Debatten, Unterhaltung und alles, was die Menschen im deutschsprachigen Raum täglich beschäftigt. Im Mai 2026 habe ich Nach Blick gegründet, mein eigenes Nachrichtenportal, das mit einem festen Team aus Redakteuren und Rechercheteuren arbeitet. Derselbe Grundsatz gilt seit dem ersten Tag: erst recherchieren, dann veröffentlichen.

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