Nik Niethammer, geboren am 8. Februar 1962 in Solothurn, leitet seit dem 1. Dezember 2014 das Schweizer Elternmagazin Fritz+Fränzi. Der 64-jährige Chefredaktor (in Deutschland: Chefredakteur) wird im Februar 2027 65 und macht auf Angebot der Stiftung Elternsein ein bis zwei Jahre länger weiter.
Seine Funktion als Chefredaktor werde er auch nach der Pensionierung ausüben, sagte der Journalist im August 2026 im Interview mit persoenlich.com. Das Gespräch erschien zum 25-jährigen Bestehen des Magazins. „In mir ist noch eine ganze Menge Journalismus“, so Niethammer. Vor Fritz+Fränzi hatte er Führungsposten beim Blick, bei Sat.1, bei der Schweizer Illustrierten und bei Radio 1.
Inhaltsverzeichnis
Steckbrief: Alter, Herkunft, Familie
| Angabe | Stand: 1. November 2026 |
|---|---|
| Name | Nik Niethammer |
| Geboren | 8. Februar 1962 in Solothurn |
| Alter | 64 Jahre |
| Beruf | Journalist, Chefredaktor |
| Aktuelle Stelle | Fritz+Fränzi, seit 1. Dezember 2014 |
| Ausbildung | Handelsdiplom in St. Gallen (1981); laut LinkedIn-Profil Medienausbildungszentrum MAZ in Luzern |
| Arbeits- und Wohnort | Arbeitet in Zürich, lebt mit der Familie in der Nähe von Freiburg im Breisgau |
| Familie | Zwei Kinder mit der Fernsehmoderatorin Tamina Kallert (Sohn 16, Tochter 14, Stand April 2026) |
Werdegang: Von TeleZüri bis Fritz+Fränzi
Einstieg: Tages-Anzeiger, Fernsehen, Schweizer Illustrierte
Niethammer wuchs in St. Gallen auf und machte 1981 sein Handelsdiplom. In den Journalismus stieg er in der Wirtschaftsredaktion des Tages-Anzeigers ein, danach arbeitete er beim Schweizer Fernsehen DRS. Von 1988 bis 1994 war er Reporter bei der Schweizer Illustrierten. Dem Medienkommentator Matthias Zehnder erzählte er, wie es dort in den Achtzigerjahren zuging: Die Redaktion besaß ein Autotelefon im schwarzen Koffer, vier Kilo schwer. Wer die wichtigste Geschichte der Woche recherchierte, durfte es mitnehmen. Unterwegs über den Bözberg nach Basel hielt man an, richtete die Antenne aus und rief in Zürich an, um zu melden, dass man auf dem Weg sei.
Privatfernsehen und Blick
Bei TeleZüri, dem ersten privaten Lokalfernsehen der Schweiz, begann er als Videojournalist. 1995 wurde er dort Chefredaktor, Programmleiter und Mitglied der Geschäftsführung. 1998 wechselte er als Programmleiter zu Tele24, dem ersten landesweiten Privatsender der Schweiz. 1999 folgte der Blick, wo er laut Ringier fünf Jahre lang der Chefredaktion angehörte.
Sat.1 in Berlin
Im Juli 2004 ging Niethammer als Bereichsleiter Magazine zu Sat.1 nach Berlin. Anfang Oktober 2007 machte ihn der Sender zum Chefredakteur für Information und Magazine, wie HORIZONT berichtete. Der Posten war seit dem Abgang von Jörg Howe Anfang 2004 unbesetzt. Die Amtszeit blieb kurz: Ende 2007 verließ Niethammer den Sender nach der Neuordnung der Geschäftsführung.
Schweizer Illustrierte als Chefredaktor
Ringier holte ihn zurück. Zunächst arbeitete er in einem Projektteam an einem neuen Titel für ein junges, städtisches Publikum, am 1. Dezember 2008 übernahm er die Chefredaktion der Schweizer Illustrierten. Der Verlag zählt eine neue Bildsprache, einen ausgebauten Online-Auftritt und ein iPad-eMagazin zu den Ergebnissen seiner Arbeit. Ende August 2011 trennte sich Ringier von ihm, weil die Vorstellungen über die Ausrichtung des Titels auseinandergingen. Stefan Regez übernahm zunächst interimistisch.
Radio 1 und ein Jahr ohne feste Stelle
Im März 2013 wurde Niethammer Chefredaktor bei Radio 1 in Zürich. Ende November 2013 ging er wieder, Radio sei nicht sein Medium, sagte er damals. Es folgte rund ein Jahr ohne feste Stelle, in dem er als Kolumnist für das Branchenportal Medienwoche schrieb. Am 4. November 2014 meldete persoenlich.com seine Ernennung zum Chefredaktor von Fritz+Fränzi, am 1. Dezember trat er die Stelle an.
Fritz+Fränzi 2026: Umbau, Bezahlstufen, Gratisauflage
Herausgeberin des Magazins ist die gemeinnützige Stiftung Elternsein, Ellen Ringier gründete es 2001. Es erscheint zehnmal im Jahr, mit Doppelnummern im Dezember und Januar sowie im Juli und August. Nach eigenen Angaben ist es mit 250.000 Leserinnen und Lesern (MACH Basic 2025-2) das größte Elternmagazin der Schweiz. Die Jubiläumsausgabe zum 25-jährigen Bestehen erschien am 26. August 2026 und versammelt ausgewählte Interviews aus einem Vierteljahrhundert.
Im Interview nannte Niethammer mehrere Änderungen:
- Standort: Im Frühjahr 2026 zog die Redaktion ins Ringier-Pressehaus an der Zürcher Dufourstrasse. Als Gründe nannte er niedrigere Mietkosten und die gemeinsame IT.
- Druckerei: Seit Anfang 2026 wird das Heft in Lahr bei Freiburg im Breisgau gedruckt. Der Wechsel spare Kosten.
- Sprachen: Nach seinen Angaben vom August 2026 gibt es die Inhalte seit rund neun Monaten per KI-Übersetzung auf Französisch, Italienisch und Englisch. Spanisch, Portugiesisch und Albanisch sollen folgen.
- Webauftritt: Die überarbeitete Website wurde für das vierte Quartal 2026 angekündigt.
Bezahlstufen und Gratisauflage
Das Magazin kündigte im August ein dreistufiges Abo-Modell an:
- Freier Zugang ohne Registrierung und Login, wie bisher.
- „FuF-Digital“: ausgewählte Texte hinter einer Bezahlschranke.
- „FuF-Digital Plus“: das Komplettangebot mit allen Texten der Printausgabe, dem Archiv und allen E-Papers.
Eine harte Paywall, hinter der alle Inhalte verschwinden, werde es nicht geben, sagte Niethammer. Das Bezahlmodell begründet er damit, dass etwas, das nichts kostet, weniger geschätzt werde. Die gedruckte Auflage von knapp 70.000 Exemplaren geht dagegen zu fast 90 Prozent kostenlos an Schulen und Institutionen. Wie sich die Paywall mit dem Erbe der Gründerin vereinbaren lässt, war eine der Fragen des Interviews.
Dazu kommt ein digitaler Elterncoach, der Chatbot „Kid“. Er greift ausschließlich auf die rund 3.500 Texte zurück, die das Magazin in den vergangenen 15 Jahren veröffentlicht hat.
Finanzierung und Stiftung
Die Einnahmen für 2025 beziffert Niethammer so:
| Quelle | Betrag 2025 |
|---|---|
| Fundraising | rund 1,1 Millionen Franken |
| Werbung | rund 1,2 Millionen Franken |
| Abonnements | knapp 900.000 Franken |
| Gesamt | rund 3,2 Millionen Franken |
Ellen Ringier starb im März 2025 im Alter von 73 Jahren. Nach ihrem Tod habe das Magazin unsichere Zeiten durchlebt und einen wichtigen Gönner verloren, schreibt persoenlich.com. Ihr Neffe Robin Lingg übernahm im Juni 2025 das Präsidium der Stiftung und gab es im Frühjahr 2026 an Michael Ringier weiter. Das Magazin bleibe zu 100 Prozent unabhängig, sagte Niethammer, und werde nicht Teil von Ringier Medien Schweiz.
Haltung, Auszeichnung und Familie
Im Fragebogeninterview mit Zehnder vom 1. April 2026 sagt Niethammer, in seinem Berufsleben sei so gut wie alles anders geworden. Geblieben seien die Freude am Beruf, die Neugier und die Überzeugung, dass Journalisten gut daran tun, Menschen zu mögen. Für Magazine, vor allem Fachmagazine, sieht er eine Zukunft: Wenn der Alltag digitaler werde, wachse die Sehnsucht nach analoger Qualität. Fritz+Fränzi habe deshalb in besseres Papier investiert. Für Tageszeitungen wage er keine Prognose.
Künstliche Intelligenz setzt die Redaktion nach seinen Angaben etwa bei der Auswertung großer Datensätze ein, die Texte schreibe sie weiter selbst. Staatliche Medienförderung sieht er skeptisch, weil sie Abhängigkeit schaffe. Sinnvoll sei sie nur dort, wo der Markt versage, etwa bei lokaler Berichterstattung in Regionen ohne Angebot. Beim Schreiben hält er es mit Wolf Schneider: „Ein Text darf viel, aber er darf nie langweilen.“
- Auszeichnung: 2020 belegte Niethammer den dritten Platz in der Kategorie Chefredaktor bei der Wahl der Branchenzeitschrift „Schweizer Journalist:in“. Den ersten Platz gewann Nicole Meier von Keystone-SDA.
- Alltag: Morgens liest er Newsletter, darunter Süddeutsche Zeitung, Spiegel Online, Tages-Anzeiger, NZZ, persönlich und turi2. Auf Facebook und Instagram folgt er vor allem Radprofis, auf LinkedIn wirbt er für sein Magazin, von TikTok und X hat er sich abgemeldet.
- Familie: Mit Tamina Kallert, die seit 2004 das WDR-Reisemagazin „Wunderschön!“ präsentiert, hat er einen Sohn und eine Tochter.
Wie lange bleibt er im Amt?
Niethammer wird am 8. Februar 2027 65. Die Stiftung Elternsein hat ihm angeboten, ein Jahr oder zwei länger zu bleiben, er hat zugesagt. Zählt man diese Zeit ab seinem 65. Geburtstag, läuft die Verlängerung bis Anfang 2028 oder 2029.
