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Sherin Senler: Wer sie ist und was das Urteil 2026 bedeutet

Am 2. September 2024 zog die Staatsanwaltschaft München eine eigene Revision zurück, obwohl sie nach eigenen Worten weiterhin nicht von der Richtigkeit des Urteils überzeugt war. Damit endete der Rechtsstreit zwischen Jérôme Boateng und seiner früheren Partnerin Sherin Senler nach mehr als fünf Jahren vor Gericht. Was das Gericht am Ende tatsächlich festgestellt hatte, ging in der Berichterstattung darüber weitgehend unter.

Wer sie ist und wie es zu diesem Urteil kam, lässt sich nur verstehen, wenn man die einzelnen Stationen des Verfahrens kennt.



Steckbrief: Sherin Senler

MerkmalInformation
Bekannt alsEx-Verlobte von Jérôme Boateng
HerkunftBerlin
AusbildungModestudium
KinderZwillinge Lamia und Soley, geboren 8. März 2011
Beziehung zu BoatengOn-off Beziehung seit 2007, Verlobung 2014, Trennung nach 2018
Rechtlicher Status des FallsSeit September 2024 rechtskräftig abgeschlossen
SorgerechtGemeinsames Sorgerecht mit Boateng, seit 2015 vor Gericht umstritten

Wer ist Sherin Senler

Sherin Senler stammt aus Berlin und hat Mode studiert. Öffentlich bekannt wurde sie über ihre Beziehung zu Jérôme Boateng, den sie 2007 kennenlernte. Beide Seiten haben diesen Zeitpunkt später vor Gericht übereinstimmend bestätigt. Am 8. März 2011 kamen die gemeinsamen Zwillingstöchter Lamia und Soley zur Welt. Kurz danach trennte sich das Paar zum ersten Mal, kam Ende 2013 wieder zusammen und verlobte sich 2014 kurz vor der Fußball-WM.

Die Beziehung war von mehreren Trennungen geprägt. Bereits 2015 zeigte Senler Boateng wegen häuslicher Gewalt an, parallel dazu begann ein Streit um das Aufenthaltsbestimmungsrecht der Zwillinge, der bis heute nicht endgültig gelöst ist. Was aus dieser ersten Anzeige juristisch wurde, ist öffentlich nie vollständig geklärt worden.


Der Vorfall von 2018 und die Anklage

Im Juli 2018 kommt es während eines gemeinsamen Urlaubs auf den Turks- und Caicosinseln zur Eskalation. Laut Anklage soll Boateng seine damalige Partnerin geschlagen, gebissen und zu Boden geworfen haben. Die Staatsanwaltschaft ging in ihrem Schlussplädoyer sogar von gefährlicher Körperverletzung aus. Boateng bestritt die Vorwürfe, räumte aber vor Gericht ein, dass es an jenem Abend zu einer Eskalation gekommen war.

Aus dieser Anklage entwickelte sich ein Verfahren, das erst im Herbst 2024 endgültig abgeschlossen wurde.


Drei Instanzen, vier Urteile: der Weg durch die Gerichte

So lässt sich der Verfahrensverlauf anhand von Gerichtsmitteilungen und Berichten der Fachredaktion LTO rekonstruieren:

  • 9. September 2021: Das Amtsgericht München verurteilt Boateng wegen Körperverletzung zu 60 Tagessätzen à 30.000 Euro, insgesamt 1,8 Millionen Euro. Boateng legt gegen das Urteil Berufung ein, ebenso die Staatsanwaltschaft und die Nebenklage, also Senlers Seite im Verfahren, die eine Einstufung als gefährliche statt einfache Körperverletzung fordern.
  • Oktober 2022: Das Landgericht München I verurteilt Boateng in der Berufungsinstanz wegen Körperverletzung und Beleidigung, diesmal zu 120 Tagessätzen à 10.000 Euro, insgesamt 1,2 Millionen Euro.
  • 21. September 2023: Das Bayerische Oberste Landesgericht hebt dieses Urteil vollständig auf. Ein Befangenheitsantrag gegen den zuständigen Richter war zuvor zu Unrecht abgelehnt worden. Der Fall geht zur erneuten Verhandlung an das Landgericht München zurück.
  • Juli 2024: Das Landgericht München I spricht Boateng erneut der vorsätzlichen Körperverletzung schuldig, verhängt aber nur eine Verwarnung mit Strafvorbehalt: 40 Tagessätze à 5.000 Euro, insgesamt 200.000 Euro, fällig nur bei einem erneuten Verstoß. Zusätzlich muss Boateng je 50.000 Euro an zwei gemeinnützige Kinderorganisationen zahlen.
  • 2. September 2024: Die Staatsanwaltschaft zieht ihre eigene Revision zurück, obwohl sie weiterhin von der Unrichtigkeit des Urteils überzeugt ist. Als Begründung nennt sie die lange Verfahrensdauer und die Belastung für die Betroffenen. Das Urteil wird damit rechtskräftig.

Nach mehr als fünf Jahren vor Gericht stand damit ein Urteil fest, mit dem am Ende weder die Staatsanwaltschaft noch die Nebenklage einverstanden war.


Warum aus einem Schuldspruch in den Medien eine Verwarnung wurde

Die investigative Journalistin Maike Backhaus wies gegenüber dem Portal infosperber darauf hin, dass ein Großteil der deutschen Medien, von Zeit Online bis ZDF, das Juli-Urteil 2024 verharmlosend als bloße Verwarnung beschrieb. Manche Berichte sprachen sogar von einer gelben Karte.

Beide Formulierungen sind technisch korrekt. Ein Gericht hat aber gleichzeitig festgestellt, dass Boateng seine frühere Partnerin vorsätzlich verletzt hat, mit Video und Zeugenaussagen belegt. Die vorsitzende Richterin Susanne Hemmerich erklärte laut LTO zugleich, „dass von dem Vorwurf des notorischen Frauenschlägers nichts übrig geblieben ist“. Dieser zweite Satz setzte sich in der Berichterstattung durch, der erste blieb in den meisten Artikeln unerwähnt.

Verstärkt wurde dieser Effekt laut infosperber durch die Arbeit des PR-Beraters Thomas Knipp, der während des Prozesses mit Journalisten sprach, ohne sich durchgehend als Vertreter Boatengs zu erkennen zu geben. Knipp hatte zuvor bereits für Rammstein-Sänger Till Lindemann gearbeitet, als diesem Gewalt- und Missbrauchsvorwürfe gemacht wurden.


Der Sorgerechtsstreit, der bis heute anhält

Parallel zum Strafverfahren streiten Boateng und Senler seit 2015 vor dem Familiengericht um die Zwillinge Lamia und Soley. Beide Elternteile haben offiziell das gemeinsame Sorgerecht, die Kinder leben aber seit Jahren überwiegend bei Boateng.

Im November 2025 strahlte die ARD die dreiteilige Dokumentation „Being Jérôme Boateng“ aus. Sie erzählt seine Karriere, seinen Fall und persönliche Rückschläge fast ausschließlich aus seiner Perspektive. Unter anderem äußert er sich darin erstmals öffentlich zum Tod seiner früheren Partnerin Kasia Lenhardt. Kurz nach der Ausstrahlung startete die Initiative FRAUEN100 eine Spendenkampagne für Senlers anwaltliche Begleitung. Darin heißt es, der letzte offizielle Umgang zwischen Senler und ihren Töchtern liege bereits dreieinhalb Jahre zurück, trotz bestehendem gemeinsamen Sorgerecht.

Diese Angabe stammt von FRAUEN100 selbst und ist unabhängig bislang nicht bestätigt. Während die ARD im November 2025 mit einer dreiteiligen Dokumentation ausführlich Boatengs Sicht zeigte, blieb Senlers Perspektive öffentlich bislang vor allem auf diese Spendenkampagne beschränkt.


Wo Senler heute steht

Öffentlich sind bislang keine Interviews von Sherin Senler bekannt und keine eigene Version ihrer Geschichte, die sie selbst erzählt hätte. Über ein Jahrzehnt wurde ihre private Geschichte von Anwälten, Gerichten, Boulevardmedien und zuletzt einer öffentlich-rechtlichen Dokumentation erzählt, kaum aber von ihr selbst.

Der Rechtsstreit um die Körperverletzung ist seit September 2024 abgeschlossen. Der Streit um ihre Töchter ist es nach Angaben von FRAUEN100 bis heute nicht.


Häufige Fragen zu Sherin Senler

Ist Sherin Senler mit Jérôme Boateng verheiratet?

Nein. Beide waren ab 2014 verlobt, es kam aber nie zur Hochzeit. Die Beziehung endete nach dem Vorfall im Sommer 2018 endgültig.

Wie viele Kinder haben Sherin Senler und Jérôme Boateng?

Zwei gemeinsame Kinder, die Zwillinge Lamia und Soley, geboren am 8. März 2011.

Ist das Urteil gegen Jérôme Boateng rechtskräftig?

Ja. Seit dem 2. September 2024, nachdem die Staatsanwaltschaft ihre Revision zurückgezogen hat, ist das Urteil des Landgerichts München I wegen vorsätzlicher Körperverletzung endgültig.

Hat Sherin Senler das Sorgerecht für ihre Kinder?

Formal besteht gemeinsames Sorgerecht. Über den tatsächlichen Umgang mit den Töchtern gibt es laut der 2025 gestarteten Spendenkampagne von FRAUEN100 weiterhin Streit.


Quellen: Legal Tribune Online zum Verfahrensverlauf, Legal Tribune Online zur Aufhebung des Urteils durch das BayObLG, der Standard zur Rücknahme der Revision, infosperber zur Medienberichterstattung im Fall Boateng

David Frueh
David Fruehhttps://nachblick.de/
Ich bin seit mehr als zwölf Jahren Journalist. Angefangen habe ich bei lokalen Verlagen in Steinbach, wo ich gelernt habe, was sorgfältige Quellenarbeit im Alltag wirklich bedeutet. In dieser Zeit habe ich in nahezu jedem Ressort gearbeitet: Tagespolitik, Gesellschaft, Wirtschaft, Sport, Kultur, Technik, Boulevardberichterstattung über Prominente, ihre Beziehungen, ihr Leben und die Geschichten, die selten vollständig erzählt werden, aktuelle Debatten, Unterhaltung und alles, was die Menschen im deutschsprachigen Raum täglich beschäftigt. Im Mai 2026 habe ich Nach Blick gegründet, mein eigenes Nachrichtenportal, das mit einem festen Team aus Redakteuren und Rechercheteuren arbeitet. Derselbe Grundsatz gilt seit dem ersten Tag: erst recherchieren, dann veröffentlichen.

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