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Gunnar Breske: Der MDR-Moderator hinter dem Höcke-Satz

Gunnar Breske moderiert seit 2013 die Hauptnachrichtensendung MDR Aktuell. Im September 2024 sitzt er im Wahlstudio des MDR, als Björn Höcke gefragt wird, wie er ohne Koalitionspartner Ministerpräsident werden will. Höcke weicht aus und verlangt, nicht länger stigmatisiert zu werden. Breske antwortet mit einem einzigen Satz: Die AfD in Thüringen gilt als gesichert rechtsextrem. Mehr sagt er nicht.



Werdegang von Gunnar Breske: Vom Volontariat zur Hauptnachrichtensendung

Breske wurde am 17. Dezember 1979 in Jena geboren, er ist heute 46 Jahre alt. Er studierte Politikwissenschaft sowie neuere und Wirtschaftsgeschichte an der Friedrich Schiller Universität Jena. Seine journalistische Laufbahn begann bereits während des Studiums beim privaten Sender Antenne Thüringen.

Die wichtigsten Stationen im Überblick:

  • 2005: Abschluss als Magister an der Universität Jena
  • 2006: Redaktionsvolontariat beim MDR in Leipzig
  • 2007 bis 2012: Reporter und Redakteur für Tagesschau und Tagesthemen, unter anderem bei Auslandseinsätzen wie dem Besuch von Papst Benedikt XVI. und mehreren G7 Gipfeln
  • 2012: Wechsel in die Redaktion von ARD aktuell nach Hamburg
  • seit 2013: Moderator der Hauptnachrichtensendung MDR Aktuell
  • seit 2017: Moderation der Wahlsondersendungen und Spitzenkandidatenrunden im MDR (Quelle: Lebenslauf auf gunnarbreske.de)
  • seit 2020: Moderator des ARD Wirtschaftsmagazins Plusminus, als Nachfolger von Jörg Boecker (Quelle: DWDL)

Leipzig ist bis heute sein Lebensmittelpunkt.


Fünf Jahre im Gerichtssaal 101

Bevor Breske zum bekannten Fernsehgesicht wurde, saß er über fünf Jahre auf der Pressebank des Oberlandesgerichts München. Von Mai 2013 bis Juli 2018 gehörte er zu den rund zwei Dutzend akkreditierten ARD Reportern beim NSU Prozess, dem größten Rechtsterrorismusverfahren der deutschen Geschichte. Bild und Tonaufnahmen waren im Saal 101 nicht erlaubt. Von 438 Verhandlungstagen blieben deshalb nur die handschriftlichen Mitschriften der anwesenden Journalisten übrig, darunter die von Breske.

Diese Protokolle wurden später zur Grundlage von Saal 101, einem zwölfstündigen Dokumentarhörspiel von Bayerischem Rundfunk, ARD und Deutschlandfunk. Die Produktion wurde 2021 als Hörbuch des Jahres ausgezeichnet und erhielt 2022 den Deutschen Hörbuchpreis. In der offiziellen Hörspieldatenbank der ARD wird Breske namentlich als einer der Autoren dieser Mitschriften geführt (Quelle: ARD Hörspieldatenbank).

Die Arbeit an diesen Protokollen folgte einer klaren Regel:

  • mitschreiben statt bewerten
  • jede Aussage wortgetreu festhalten, ohne Einordnung
  • keine eigene Meinung im Text, weil die Mitschrift selbst zum historischen Dokument wurde

Fünf Jahre lang hörte Breske Aussagen über Radikalisierung, Mordserien und rechtsextreme Netzwerke, ohne dazu öffentlich Stellung zu nehmen.


Der Moment mit Höcke: Wie Breske reagierte

Diese journalistische Prägung wurde im September 2024 zum ersten Mal breit sichtbar. Als Breske Höcke im Wahlstudio darauf ansprach, dass dessen Partei vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird, blieb er bei seiner Formulierung. „Das ist eine Tatsache“, sagte er, wie t-online berichtete (Quelle: t-online). Höcke wollte diese Feststellung nicht auf sich sitzen lassen und wies den Vorwurf der Stigmatisierung zurück.

Wie viel journalistische Distanz gegenüber einer Partei möglich ist, die von der eigenen Sicherheitsbehörde als extremistisch geführt wird, beschäftigt deutsche Rundfunkredaktionen seit Jahren, nicht nur beim MDR. Breske reagierte an diesem Abend nicht mit einer Wertung, sondern mit einer Feststellung, die sich auf ein behördliches Dokument stützt. Diese Art zu antworten erinnert an die Arbeitsweise, die er sich Jahre zuvor im Gerichtssaal angeeignet hat, auch wenn sich dieser Zusammenhang nicht belegen lässt.


Gunnar Breske als Rechercheur

Neben der Kamera ist Breske auch als Rechercheur aktiv. Im August 2025 berichtete er als einer der Ersten darüber, dass Sachsen Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff bei der Landtagswahl im September 2026 nicht erneut antreten wird, unter Berufung auf Parteikreise. Mehrere überregionale Medien griffen die Meldung im Anschluss auf. Als möglicher Nachfolger wurde CDU Landeschef Sven Schulze genannt. Die Landtagswahl in Sachsen Anhalt findet in wenigen Wochen statt, seine Meldung aus dem vergangenen Sommer bleibt damit unmittelbar relevant.


Nebenrollen: Jury und Kommunikationstraining

Breske ist seit 2014 Mitglied der Jury des Thüringer Innovationspreises. Seit 2015 arbeitet er außerdem als Medien und Kommunikationstrainer für die Shibumi Leadership Academy, unter anderem für Führungskräfte des Auswärtigen Amts.


Einordnung: Was der Fall Breske zeigt

Seine Karriere ist über weite Strecken auf Zurückhaltung gebaut. Fünf Jahre Gerichtsprotokolle ohne eigene Meinung, ein Wirtschaftsmagazin mit Zahlen statt Zuspitzung, Wahlsondersendungen mit klar getrennten Rollen für Moderator und Kandidat. Der Umgang mit Höcke fiel deshalb auf, weil Breske in diesem Muster blieb, statt es zu verlassen. Er kommentierte nicht, sondern zitierte, was behördlich festgestellt worden war, und blieb bei dieser Formulierung, auch als sein Gegenüber widersprach.

Ob dieser Ansatz bei den bevorstehenden Wahlen in Sachsen Anhalt erneut zum Thema wird, lässt sich jetzt noch nicht sagen. Die grundsätzliche Frage, wie viel Neutralität gegenüber einer als extremistisch eingestuften Partei überhaupt möglich ist, wird der Fall Breske allein nicht beantworten. Er zeigt aber, an welcher Stelle diese Debatte im Alltag eines einzelnen Journalisten konkret wird.


Quellen: Wikipedia Eintrag zu Gunnar Breske, ARD Hörspieldatenbank zu Saal 101, t-online Berichterstattung zur Landtagswahl Thüringen 2024, DWDL zur Moderation von Plusminus, Lebenslauf auf gunnarbreske.de

David Frueh
David Fruehhttps://nachblick.de/
Ich bin seit mehr als zwölf Jahren Journalist. Angefangen habe ich bei lokalen Verlagen in Steinbach, wo ich gelernt habe, was sorgfältige Quellenarbeit im Alltag wirklich bedeutet. In dieser Zeit habe ich in nahezu jedem Ressort gearbeitet: Tagespolitik, Gesellschaft, Wirtschaft, Sport, Kultur, Technik, Boulevardberichterstattung über Prominente, ihre Beziehungen, ihr Leben und die Geschichten, die selten vollständig erzählt werden, aktuelle Debatten, Unterhaltung und alles, was die Menschen im deutschsprachigen Raum täglich beschäftigt. Im Mai 2026 habe ich Nach Blick gegründet, mein eigenes Nachrichtenportal, das mit einem festen Team aus Redakteuren und Rechercheteuren arbeitet. Derselbe Grundsatz gilt seit dem ersten Tag: erst recherchieren, dann veröffentlichen.

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