Abdel Qissi kennen Actionfilm-Fans aus drei Filmen an der Seite von Jean-Claude Van Damme, seinen Namen kann kaum jemand nennen. Im Februar 2012 verlässt die Ixelles-Gemeinderätin Vanessa Cuevas ihr Mandat, und ausgerechnet er rückt auf der Liste der Mouvement Réformateur nach.
Sechs Jahre zuvor hatte er bei seiner ersten Kandidatur in Ixelles 322 Stimmen geholt, ohne direkt gewählt zu werden. Gut zwanzig Jahre zuvor stand er im selben Bezirk noch im Boxring. Beide Stationen tauchen in Berichten über seine Filmrollen fast nie auf.
Inhaltsverzeichnis
Geburt in Oujda, Jugend in Brüssel
Qissi wurde am 20. Januar 1960 in Oujda in Marokko geboren. Als Kind zog er mit seiner Familie nach Brüssel. Dort begann er, im Sportzentrum von Ixelles zu boxen, und lernte dabei den jungen Jean-Claude Van Damme kennen. Über diese frühe Bekanntschaft kam Qissi Jahre später zu seinen ersten Filmrollen. Er ist außerdem der ältere Bruder von Michel Qissi, der als Tong Po im Film Kickboxer bekannt wurde.
Acht Kämpfe, fünf Siege
Bevor Qissi vor die Kamera trat, boxte er selbst. Zwischen 1980 und 1981 bestritt er acht Profikämpfe im Brüsseler Raum: fünf Siege, davon zwei durch technischen K.o., ein Unentschieden und zwei Niederlagen. Dokumentiert sind unter anderem:
- Oktober 1980 in Molenbeek-Saint-Jean: Sieg gegen Roberto Bosio
- November 1980 in Ixelles: Punktsieg gegen Fred Voltine
- April 1981 in Ixelles: Unentschieden gegen Marco Vitagliano
- Oktober 1981 in Ixelles: Sieg durch technischen K.o. gegen Antimo Tescione
- November 1981 in Sint-Truiden: Niederlage im Rückkampf gegen Marco Vitagliano
Als Qissi später vor die Kamera trat, spielte er vor allem kräftig gebaute Gegenspieler, eine körperliche Präsenz, die er sich im Ring über Jahre aufgebaut hatte.
Drei Filme neben Van Damme
1990 gab Qissi sein Leinwanddebüt als Attila in Lionheart, dem Gegenspieler von Van Damme. 1996 folgte seine bekannteste Rolle: Khan, der mongolische Kämpfer in The Quest, mit Roger Moore und James Remar im Ensemble. 2001 stand er ein drittes Mal Van Damme gegenüber, als namenloser Marktverkäufer in The Order, neben Charlton Heston.
Die Szene aus The Order ist dabei mehr als nur ein Nebenschauplatz. Es ist die dritte Leinwand-Konfrontation der beiden Männer nach Lionheart und The Quest, diesmal aber deutlich leichter inszeniert als in den beiden Filmen davor.
| Jahr | Film | Rolle |
|---|---|---|
| 1990 | Lionheart | Attila |
| 1996 | The Quest | Khan |
| 2001 | The Order | Marktverkäufer |
| 2024 | The Last Kumite | Detective Dobrev |
Der Bruder von Tong Po
Ohne Michel Qissi ist Abdels Filmkarriere schwer zu verstehen. Michel, ebenfalls in Oujda geboren, zog 1982 mit Van Damme nach Hollywood und wurde später als Tong Po zur festen Größe im Actionkino. Abdel drehte drei Filme mit Van Damme, kehrte zwischen den Projekten aber immer wieder nach Brüssel zurück. Eine durchgehende Schauspielkarriere in den USA hat er nie verfolgt.
Zwischen Filmset und Gemeinderat
Zwischen den Dreharbeiten arbeitete Qissi bei der STIB, dem Brüsseler Verkehrsbetrieb. Ab Mitte der 2000er Jahre kandidierte er zusätzlich für den Gemeinderat von Ixelles, auf der Liste der Mouvement Réformateur.
Die zeitliche Reihenfolge ist wichtig, um seine politische Laufbahn richtig einzuordnen. Bei der Kommunalwahl 2006 erhielt er 322 Stimmen und wurde nicht direkt gewählt, blieb aber auf der Kandidatenliste. Als im Februar 2012 ein Sitz frei wurde, weil Vanessa Cuevas ausschied, rückte Qissi auf Basis dieser Liste nach, acht Monate vor der nächsten regulären Wahl. Bei dieser folgenden Wahl im Oktober 2012 trat er erneut an und erhielt 148 Stimmen, diesmal ohne direkt gewählt zu werden. Die belgische Zeitung Sudinfo berichtete im Januar 2012 über seinen Einzug in den Rat und nannte dabei ausdrücklich seine Filmrollen neben Van Damme.
Ob Qissi über 2012 hinaus im Gemeinderat aktiv blieb, ist öffentlich nicht dokumentiert.
Rückkehr vor die Kamera: The Last Kumite
2024 stand Qissi noch einmal für einen Kinofilm vor der Kamera. In The Last Kumite, produziert vom deutschen Label Capelight Pictures und über Kickstarter finanziert, spielt er Detective Dobrev. Auch sein Bruder Michel ist dabei, als Nebenfigur namens Wolf. Der Film versteht sich als Hommage an Titel wie Bloodsport und Kickboxer und wurde unter anderem mit den deutschen Darstellern Mathis Landwehr, Mike Möller und Katja Wagner besetzt.
Erstmals seit 1990 wieder gemeinsam
Die letzte gemeinsame Filmrolle der beiden Brüder vor The Last Kumite liegt weit zurück. In Lionheart aus dem Jahr 1990 spielte Abdel den Gegenspieler Attila, während Michel in einer kleineren Rolle als Moustafa auftrat. Danach liefen ihre Karrieren getrennt weiter, Michel vor allem als Tong Po in der Kickboxer-Reihe, Abdel in den Rollen neben Van Damme und später in der Kommunalpolitik von Ixelles. Erst 2024, 34 Jahre nach Lionheart, standen die Brüder in The Last Kumite wieder gemeinsam vor der Kamera.
Öffentliche Informationen zu Abdel Qissis heutigem Leben oder möglichen weiteren Projekten liegen nicht vor. Die Wiederbegegnung mit seinem Bruder in The Last Kumite bleibt bislang sein letzter bekannter Filmauftritt.
Quellen:

