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Gina Hanauer und der Mordfall Fabian: Prozess 2026

Gina Hanauer, 30 Jahre alt, aus Reimershagen bei Güstrow, ist angeklagt, den achtjährigen Fabian am 10. Oktober 2025 getötet zu haben. Der Junge war der Sohn ihres damaligen Ex-Freundes Matthias R. Seit November 2025 sitzt sie in Untersuchungshaft. Seit dem 28. April 2026 verhandelt die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Rostock den Fall. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt für sie die Unschuldsvermutung.

Zur Person und zum Verfahren auf einen Blick

NameGina Hanauer
Alter30 Jahre
WohnortReimershagen, Landkreis Güstrow
VerhaftetNovember 2025
AnklagepunktHeimtückischer Mord aus niedrigen Beweggründen
TatopferFabian, 8 Jahre, Sohn des Ex-Freundes
Tatdatum10. Oktober 2025
GerichtLandgericht Rostock, Schwurgerichtskammer
Prozessbeginn28. April 2026
VerteidigungThomas Löcker, Andreas Ohm
Erwartetes UrteilSpätsommer 2026

Wer ist Gina Hanauer?

Sie wuchs in Zehna auf, einem kleinen Ort nahe Güstrow, und zog nach einer schwierigen Kindheit zu ihren Großeltern nach Reimershagen. Dort lebte sie auch noch, als die Polizei im November 2025 vor der Tür stand, zusammen mit ihrem eigenen Sohn.

Im Oktober 2024 starb ihr Vater Lutz Hanauer. Auf Instagram schrieb sie danach: „Nun stehe ich wieder alleine da und habe alles verloren.“ Fotos von Wunden an den Armen veröffentlichte sie ebenfalls auf dem Profil, das heute nicht mehr öffentlich zugänglich ist.

Reiten war jahrelang ihr wichtigster Ausgleich. Unter dem Verein RFV Vietgest e.V. nahm sie an regionalen Springturnieren teil, zuletzt beim Güstrower Springturnier im September 2025 mit ihrer Stute Cleo 269. Weniger als sechs Wochen später verschwand Fabian.

Beruflich blieb ihre Lage im Prozess ungeklärt. BILD berichtete, sie sei Vertriebspartnerin für ein Unternehmen im Bereich Pferdemedizintechnik gewesen. Nachbarn aus Reimershagen sagten hingegen, sie habe wegen einer psychischen Erkrankung Erwerbsminderungsrente bezogen.


Die Vorgeschichte: Vier Jahre Beziehung, ein Kind dazwischen

Rund vier Jahre war Gina H. mit Matthias R., 35, zusammen. Im August 2025 trennte er sich von ihr, mit einer konkreten Begründung: Er wolle die neu aufgebaute Beziehung zu seinem Sohn Fabian nicht gefährden.

Der Hintergrund war belastet. Fabian hatte miterlebt, wie sein Vater Gina schlug. Danach brach der Kontakt zwischen Vater und Sohn zunächst ab. Im Sommer 2025 näherten sie sich wieder an, und Fabians Mutter Dorina sagte vor Gericht, ihr Sohn sei in dieser Zeit „wieder happy“ gewesen. Er wollte an dem Oktoberwochenende mit seinem Vater ein Baumhaus fertigbauen.

Zwei Tage vor dem 10. Oktober schickte Gina H. dem Ex-Freund eine Sprachnachricht: „Wenn ich mich nicht mit dir treffen wollen würde, würde ich dich ja nicht fragen. Es geht auch nicht darum, dass wir in der Kiste landen. Einfach reden.“ Es kam zu einem Treffen. Danach meldete sie sich weinend und schrieb, sie habe ihn weggeschickt, weil ihr die Gespräche wehgetan hätten.

Am 9. Oktober 2025, einem Tag vor Fabians Tod, soll Matthias R. die Beziehung endgültig für beendet erklärt haben.


Der 10. Oktober 2025: Die Rekonstruktion der Staatsanwaltschaft

Die folgende Chronologie gibt ausschließlich die Einschätzung der Staatsanwaltschaft Rostock wieder. Es handelt sich um den Stand der Anklage, kein Urteil.

Tatchronologie laut Staatsanwaltschaft Rostock

UhrzeitRekonstruktion
ca. 10:43 UhrGina H. holt Fabian in Güstrow ab. Eine Videokamera erfasst ihren orangefarbenen Ford in diesem Zeitraum.
11:19 UhrAuf ihrem Handy wird ein Foto aufgenommen, rund 1.600 Meter vom späteren Tatort entfernt.
11:21 bis 12:42 UhrDas Handy ist nicht erreichbar. Die SIM-Karte loggt sich weder in Güstrow noch am Tatort ein. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Gerät ausgeschaltet oder im Flugmodus war.
MittagLaut Anklage tötet Gina H. den Jungen an einem Tümpel bei Klein Upahl mit mindestens sechs Messerstichen. Zwei davon trafen direkt das Herz.
NachmittagEine Anwohnerin bemerkt ein Feuer am Tümpel und fotografiert es. Sie geht zunächst davon aus, dass jemand Schilf rodet.
19:22 UhrGina H. googelt „vermisste Person Güstrow“. Matthias R. informiert sie laut Chatnachrichten erst rund eine Stunde später, dass Fabian nicht nach Hause gekommen ist.

Am 14. Oktober 2025 meldet Gina H. bei einem angeblichen Spaziergang die Leiche des Jungen. Nachbarn aus Reimershagen zweifelten von Anfang an an dieser Version: „Da rennt kein Mensch einfach so lang. Gina geht überall lang, aber nicht da.“ Wenige Wochen später wurde sie verhaftet. Das Jugendamt nahm ihren Sohn in Obhut.


Die Beweislage: Was die Ermittler vorgelegt haben

Indizien und Beweise im Überblick

BeweismittelBewertung
Lila-blaue Baumwollfaser unter Fabians DaumennagelLaut Textilgutachter passend zu Ginas Pullover, Bewertung aber schwierig
Polyesterfasern an Fabians KleidungKönnten von Ginas Reiterhose stammen
Mischspuren DNA im AutoSehr wahrscheinlich von Fabian, aber auch unbekannte DNA enthalten
Blutverschmierte Küchenrolle im FahrzeugSichergestellt, Herkunft Gegenstand der Beweisaufnahme
Zwei unabhängige ZeugenaussagenLandwirte sahen Ginas Pickup-Truck mittags nahe Klein Upahl
FunkzellenauswertungBelegt Verbindungen an Wohnort und Zufahrtsstrecke zum Fundort
Google-Suche 19:22 UhrErfolgte vor dem Zeitpunkt, zu dem Matthias R. sie laut Chat über Fabians Verschwinden informierte

Der Textilgutachter machte im Prozess selbst deutlich, dass eine eindeutige Bewertung der Faserspuren sehr schwierig sei. Verteidiger Andreas Ohm hielt dagegen, dass Fabian und die Angeklagte sich seit Jahren kannten. Normale Kontaktspuren seien dabei nicht auszuschließen.

Die Tatwaffe wurde bis heute nicht gefunden. Ein Messer mit einer Klingenlänge von mindestens zehn Zentimetern, das laut Obduktion verwendet wurde, blieb trotz umfangreicher Suche verschollen. Mülldeponien wurden durchpflügt, der Tümpel abgepumpt. Ein Küchenmesser, das im Dezember 2025 auftauchte und von der Verteidigung ins Spiel gebracht wurde, schloss das LKA nach Untersuchung als Tatwaffe aus.

Verteidiger Thomas Löcker sagte dazu:

„Es stimmt schon, dass es die Verteidigung schwer hat. Es gibt viele Dinge, die sie belasten, aber nichts ist aussichtslos.“


Das Motiv laut Anklageschrift

Die Staatsanwaltschaft Rostock schrieb in der Anklageschrift:

„Sie handelte ziel- und zweckgerichtet, um durch die Tötung einen Streitpunkt mit Matthias R. zu begraben und diesen wieder für sich gewinnen zu können. Dabei vernichtete sie bedenkenlos das Leben des 8-jährigen Kindes für die vage Hoffnung auf Wiederaufnahme einer für sie auch monetär vorteilhaften Beziehung.“

Fabian hatte die häusliche Gewalt seines Vaters miterlebt und war danach der Grund, den Matthias nannte, um den Kontakt zu Gina H. zu beenden. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft war das Kind damit der zentrale Hinderungsgrund für eine Rückkehr zur Beziehung.

Ob das tatsächlich das Motiv war, ist nicht bewiesen. Verteidiger Löcker sagte, er zerbreche sich seit Beginn des Verfahrens den Kopf darüber: „Das gibt uns allen Rätsel auf.“


Matthias R.: Der Zeuge, gegen den ermittelt wird

Am dritten Prozesstag Ende April 2026 wurde Fabians Vater mehr als acht Stunden lang vernommen. Er überraschte den Saal mit einer Aussage, die so kaum jemand erwartet hatte: Er glaube an die Unschuld der Angeklagten. Die beiden seien inzwischen wieder ein Paar, er besuche sie alle zwei Wochen in der Untersuchungshaft. Auf die Frage, wer seinen Sohn getötet haben könnte, antwortete er nicht.

Am 13. Mai 2026 gab Oberstaatsanwalt Harald Nowack zu Beginn des vierten Verhandlungstages bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Rostock Ermittlungen gegen Matthias R. wegen des Verdachts der Falschaussage eingeleitet hat. Der 35-Jährige habe sich in Widersprüche verstrickt. Seine Angaben vor Gericht wichen von früheren Vernehmungen durch die Polizei ab.

Nowack sagte, es sei wenig nachvollziehbar, wie ein Zeuge seine Aussage derart ändern könne. Die Angeklagte habe auf ihn eingewirkt, eine Wiederaufnahme der Beziehung angestrebt, und nach der Vernehmung sei festzustellen, dass ihr das gelungen sei.

Matthias R. ist durch diese Ermittlungen ausdrücklich kein Tatverdächtiger im Mordfall. Seine Stellung als neutraler Zeuge hat er damit aber verloren.

Am fünften Prozesstag saß auch seine Mutter im Zeugenstand. Sie verweigerte konkrete Antworten und sagte, sie wolle nicht wissen, was mit Fabian passiert sei. Richter Holger Schütt zeigte sich sichtlich schockiert.


Prozessstand: Juni 2026

Aktuelle Verfahrensdaten

Vorsitzender RichterHolger Schütt
OberstaatsanwaltHarald Nowack
VerteidigungThomas Löcker, Andreas Ohm
NebenklägerinDorina L., Fabians Mutter
VerhandlungstageUrsprünglich 17, inzwischen auf 27 erweitert
Erwartetes UrteilAugust / September 2026
ErmittlungsakteÜber 20.000 Seiten

Gina H. schweigt seit Prozessbeginn. Verteidiger Ohm kündigte an, sie werde sich gegen Ende des Verfahrens äußern und berichtigen, was man ihr fälschlicherweise vorwerfe. Ein Geständnis sei ausgeschlossen. Nowack sagte nach einer der Sitzungen, mit jeder weiteren Verhandlung kämen neue Indizien und Beweise hinzu.


Häufige Fragen zum Mordprozess gegen Gina Hanauer

Wann verschwand Fabian und wann wurde er gefunden? Fabian verschwand am 10. Oktober 2025. Seine Leiche wurde vier Tage später, am 14. Oktober 2025, an einem Tümpel bei Klein Upahl entdeckt.

Was wird der Angeklagten konkret vorgeworfen? Die Staatsanwaltschaft Rostock klagt sie wegen heimtückischen Mordes aus niedrigen Beweggründen an. Laut Anklage soll sie Fabian unter einem Vorwand aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow gelockt und ihn anschließend mit mindestens sechs Messerstichen getötet haben.

Warum wurde die Tatwaffe nie gefunden? Das Messer wurde trotz umfangreicher Suche nicht gefunden. Mülldeponien wurden durchsucht, der Tümpel abgepumpt. Die Verteidigung nutzt diesen Umstand als zentrales Gegenargument.

Hat Gina H. bisher vor Gericht etwas gesagt? Nein. Sie schweigt seit dem ersten Verhandlungstag. Ihr Verteidiger hat angekündigt, dass sie sich gegen Ende des Prozesses äußern will, aber kein Geständnis ablegen wird.

Warum wird gegen Fabians Vater ermittelt? Matthias R. hatte bei der Polizei und vor Gericht widersprüchliche Angaben gemacht. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen des Verdachts der Falschaussage ein. Er gilt dabei ausdrücklich nicht als Tatverdächtiger im Mordfall.

Wann ist mit einem Urteil zu rechnen? Der Prozess wurde von 17 auf 27 Verhandlungstage ausgeweitet. Ein Urteil wird frühestens im Spätsommer 2026 erwartet.


Was im Prozess gegen Gina Hanauer noch kommt

Der Prozess gegen Gina Hanauer läuft seit dem 28. April 2026 und hat sich bereits deutlich länger hingezogen als ursprünglich geplant. Die Beweisaufnahme ist noch nicht abgeschlossen. Sachverständige sollen zu weiteren Spurenbefunden gehört werden, und Zeugen zur Rekonstruktion des Tattages stehen noch aus. Fabians Mutter Dorina tritt als Nebenklägerin auf und wartet auf ein Urteil. Wann Gina Hanauer selbst vor dem Landgericht Rostock das Wort ergreift und was sie sagen wird, bleibt bis zum Ende des Verfahrens offen.


Quellen: ZDF heute, Staatsanwaltschaft Rostock, Landgericht Rostock, t-online, Berliner Kurier, Ostseewelle MV, NDR

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David Frueh
David Fruehhttps://nachblick.de/
Ich bin seit mehr als zwölf Jahren Journalist. Angefangen habe ich bei lokalen Verlagen in Steinbach, wo ich gelernt habe, was sorgfältige Quellenarbeit im Alltag wirklich bedeutet. In dieser Zeit habe ich in nahezu jedem Ressort gearbeitet: Tagespolitik, Gesellschaft, Wirtschaft, Sport, Kultur, Technik, Boulevardberichterstattung über Prominente, ihre Beziehungen, ihr Leben und die Geschichten, die selten vollständig erzählt werden, aktuelle Debatten, Unterhaltung und alles, was die Menschen im deutschsprachigen Raum täglich beschäftigt. Im Mai 2026 habe ich Nach Blick gegründet, mein eigenes Nachrichtenportal, das mit einem festen Team aus Redakteuren und Rechercheteuren arbeitet. Derselbe Grundsatz gilt seit dem ersten Tag: erst recherchieren, dann veröffentlichen.

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