Im April 2025 reichte der damalige Pentagon Kommunikationschef John Ullyot seinen Rücktritt ein und beschrieb in einem Gastbeitrag für Politico ein Ministerium im „totalen Chaos“. Der Satz bezog sich nicht auf laufende Militäreinsätze, sondern auf die Zustände in der eigenen Behörde, aus der zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere enge Berater von Verteidigungsminister Pete Hegseth entfernt worden waren. Eine Person blieb in dieser Phase auffällig oft im Raum.
Jennifer Rauchet ist Amerikanerin, frühere Fernsehproduzentin bei Fox News und seit 2019 mit Hegseth verheiratet. Ein eigenes Amt im Ministerium hat sie nicht, bekannt war sie zuvor vor allem für ihre Arbeit hinter der Kamera, nicht für Auftritte in sicherheitsrelevanten Räumen.
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Vom Fox Newsroom in die zweite Reihe des Pentagons
Jennifer Cunningham Rauchet studierte Journalismus an der Towson University in Maryland. Ihre Karriere begann 2001 beim New Yorker Sender WPIX TV, 2006 wechselte sie zu Fox News. Dort arbeitete sie sich zur Produzentin hoch, zunächst bei Fox and Friends Weekend, später bei Watters World.
Die wichtigsten Stationen:
- 2001 bis 2006: Produzentin bei WPIX TV
- Ab 2006: Wechsel zu Fox News
- Während Hegseths Zeit als Co Moderator bei Fox and Friends Weekend: gemeinsame Arbeit im selben Studio
- August 2019: Heirat mit Hegseth im Trump National Golf Club in Colts Neck, New Jersey
- Januar 2025: Anwesend bei der Vereidigung ihres Mannes als Verteidigungsminister
Beide waren zu Beginn ihrer Beziehung noch mit anderen Partnern verheiratet. Im Buch „Hoax“ des früheren CNN Journalisten Brian Stelter wird ein nicht namentlich genannter Fox News Manager zitiert, wonach Jennifer Rauchet Hegseth bei der Sendezeit bevorzugt behandelt habe. Kurz nachdem die Beziehung öffentlich wurde, wechselte sie von Fox and Friends zu Watters World, wie mehrere US Medien berichteten.
Eine Sicherheitsfreigabe ohne öffentliche Antwort
Im Frühjahr 2025 berichtete CNN, gestützt auf mit der Angelegenheit vertraute Personen, dass Jennifer Rauchet Unterlagen für eine eigene Sicherheitsfreigabe eingereicht habe. Ob dieser Antrag bewilligt wurde, ist bis heute nicht öffentlich bestätigt. Eine Pentagon Sprecherin wollte sich dazu weder äußern noch es dementieren. Ministeriumssprecherin Kingsley Wilson erklärte lediglich, Rauchet habe nie an einem Treffen teilgenommen, bei dem sensible oder geheime Informationen besprochen worden seien.
Ganz unbeachtet blieb die Angelegenheit trotzdem nicht. Der demokratische Senator Chris Coons nannte die regelmäßige Anwesenheit der Ministergattin bei hochrangigen Terminen öffentlich „überhaupt nicht normal“. Eine Reaktion des Ministeriums darauf ist bislang nicht bekannt.
Zwei Signal Chats, ein Missverständnis, das sich hartnäckig hält
Viele Berichte werfen zwei unterschiedliche Vorgänge in einen Topf. Im ersten, öffentlich als Signalgate bekannten Fall, wurde der Chefredakteur des Magazins The Atlantic versehentlich in eine Gruppe mit Regierungsmitgliedern aufgenommen. Jennifer Rauchet gehörte diesem Chat nicht an.
Ein zweiter, davon unabhängiger Fall betrifft eine weitere Signal Gruppe, über die die New York Times berichtete. In dieser Gruppe soll Hegseth Details zu geplanten Luftschlägen gegen Huthi Stellungen im Jemen geteilt haben, darunter laut Bericht auch Flugpläne. Mitglieder dieser Gruppe waren neben Rauchet auch Hegseths Bruder Phil sowie sein persönlicher Anwalt Tim Parlatore, die beide inzwischen offizielle Funktionen im Ministerium bekleiden. Rauchet hatte zu diesem Zeitpunkt keine.
Was aus dem Chaos wurde
Nach Berichten der britischen Zeitung The Guardian, aufgegriffen unter anderem von IBTimes UK, gilt Rauchet inzwischen bei einem Teil des Pentagon Personals als eine der wenigen konstanten Ansprechpersonen im engsten Umfeld des Ministers. Laut denselben Berichten war sie im März 2026 bei einem Gespräch zwischen Hegseth und dem britischen Verteidigungsminister John Healey anwesend. Ein Ministerium, das jährlich über ein Budget von rund 1,5 Billionen Dollar entscheidet, hat bislang nicht öffentlich erklärt, nach welchen Regeln über die Anwesenheit von Familienmitgliedern bei solchen Terminen entschieden wird.
Sieben Kinder, ein sehr öffentliches Familienleben
Jennifer Rauchet und Pete Hegseth führen eine große Patchworkfamilie mit insgesamt sieben Kindern: drei aus Rauchets erster Ehe, drei Söhne aus Hegseths zweiter Ehe mit Samantha Deering und Tochter Gwendolyn, die beide 2017 gemeinsam bekamen, noch während Hegseths zweite Ehe formal bestand.
Die Kinder werden nach Angaben von Rauchet zuhause unterrichtet. Im Katie Miller Podcast erklärte sie im Dezember 2025, die Familie nutze das Lehrprogramm Classical Conversations, weil es feste Strukturen biete und trotzdem genug Flexibilität für den Alltag mit sieben Kindern lasse.
Nach den 2024 erneut aufgekommenen Vorwürfen gegen Hegseth wegen eines Vorfalls aus dem Jahr 2017, für den er nie angeklagt wurde, schrieb Rauchet auf Instagram, die Angriffe würden nicht ihrem Mann gelten, sondern „euren Werten“.
Was von alldem bleibt
Drei Dinge stehen bislang unverbunden neben einander. Jennifer Rauchet hat einen Antrag auf Sicherheitsfreigabe eingereicht, dessen Ausgang niemand öffentlich bestätigt hat. Ein Kommunikationschef hat unter Verweis auf ein Ministerium im totalen Chaos seinen Posten aufgegeben. Und ein Senator hat öffentlich Zweifel angemeldet, ohne dass danach etwas passiert ist. Bis zur Veröffentlichung dieses Textes hat keine der zuständigen Stellen diese drei Punkte zusammengeführt oder sie mit einer klaren Antwort verbunden. Die einzige durchgängige Auskunft bleibt dieselbe: unklar.
Quellen: Newsweek, The Daily Beast, IBTimes UK, Wikipedia: Pete Hegseth

