Ende Februar 2026 sitzt Joachim Llambi in der Jury von „Let’s Dance“ und meint es gut. Er vergleicht den neuen Kandidaten Joel Mattli mit dem Gewinner von 2021. Der Name fällt, und in den Kommentarspalten der Show geht es los. Gemeint ist Rúrik Gíslason, der an diesem Abend gar nicht im Studio sitzt, aber trotzdem verteidigt wird, weil viele Zuschauer ihn noch genauso in Erinnerung haben wie beim Sieg 2021. Was in den Jahren danach passiert ist, bekommen die wenigsten mit.
Zur Einordnung: Gíslason, geboren am 25. Februar 1988 in Reykjavík, ist inzwischen 38 Jahre alt. Verheiratet ist er nicht, Kinder hat er keine, und mit dem aktiven Fußball hat er seit November 2020 nichts mehr zu tun.
Inhaltsverzeichnis
Die Geschichte, die man am häufigsten liest
Wer den Namen sucht, findet fast immer dieselbe Erzählung. Ein gutaussehender isländischer Fußballer wird bei der WM 2018 zum Internetphänomen, taucht später bei „Let’s Dance“ auf und bleibt seitdem im deutschen Fernsehen. Diese Version stimmt, erzählt aber nur einen Teil der Geschichte.
Ein Detail geht dabei fast immer unter. Als Gíslason 2015 zum 1. FC Nürnberg wechselte, wurde er als Offensivspieler verpflichtet. Drei Spielzeiten stand er für den Klub auf dem Platz. In dieser Zeit gelang ihm kein einziges Pflichtspieltor. Auch bei seiner letzten Station, dem SV Sandhausen, war er Rotationsspieler, kein Stammspieler mit Ausnahmestatus. Diese Randposition auf dem Platz erklärt einiges davon, warum er sich offenbar schon früh nach anderen Standbeinen umgesehen hat, lange bevor jemand in Deutschland seinen Namen kannte.
Ein Wechseleinsatz mit Folgen
Im Sommer 2018 steht Gíslason im isländischen WM-Kader für Russland. Im Gruppenspiel gegen Argentinien wird er eingewechselt, für wenige Minuten. Was danach folgt, hat mit dem Spielverlauf selbst wenig zu tun. Seine Instagram-Zahlen springen innerhalb weniger Tage von rund 30.000 auf über eine Million Follower.
Ein Blick auf die Monate davor zeigt, dass Gíslason zu diesem Zeitpunkt schon an eigenen Projekten arbeitete, unabhängig von der plötzlichen Aufmerksamkeit, die ihm der Wechseleinsatz gegen Argentinien einbrachte.
Gin, ein Modelabel und ein Plan mit Vorlauf
Schon 2018, während er noch aktiv für Sandhausen spielte, gründete Gíslason gemeinsam mit zwei Freunden die Marke Glacier Gin, hergestellt in Island. Parallel entstand sein eigenes Modelabel Bökk. Beide Vorhaben liefen bereits, während er noch jedes Wochenende Zweitliga spielte.
Im Sommer 2020 lief sein Vertrag bei Sandhausen aus, der Verein verlängerte nicht. Im November desselben Jahres erklärte Gíslason offiziell das Ende seiner Fußballkarriere. Was danach kam, liest sich wie die Fortsetzung eines Plans, der zu diesem Zeitpunkt schon lief:
- November 2020: Rückzug vom Profifußball
- Februar 2021: erste eigene Single mit dem Titel „Older“
- 2021: Sieg bei „Let’s Dance“ an der Seite von Tanzpartnerin Renata Lusin
- 2021: erster Kinofilm, „Cop Secret“, inszeniert von Islands früherem Nationaltorwart Hannes Þór Halldórsson
- 2022: Rückkehr zu „Let’s Dance“ als Gast sowie Teilnahme bei „The Masked Singer“
- 2026: erste Hauptrolle in einer Netflix-Produktion
Zwischen den einzelnen Stationen liegt kaum Leerlauf, anders als bei vielen viral gewordenen Gesichtern, die nach ein oder zwei Jahren wieder aus der Öffentlichkeit verschwinden.
Vom Tanzparkett zur Netflix-Rolle
Seit dem 1. April 2026 läuft die Komödie „Eat Pray Bark“ bei Netflix, im deutschen Untertitel „Therapie auf vier Pfoten“. Es ist Gíslasons erste Hauptrolle in einem Spielfilm. Er spielt einen Hundetrainer, der in den Tiroler Bergen gestressten Großstädtern mithilfe ihrer Hunde zu mehr Ruhe verhelfen soll. An seiner Seite stehen unter anderem Alexandra Maria Lara und Devid Striesow. Gedreht wurde komplett auf Deutsch, im österreichischen Seefeld, wie Gíslason gegenüber Promiflash erzählte.
Für einen gebürtigen Isländer ist das keine kleine Aufgabe. Eine ganze Rolle in einer Fremdsprache zu tragen, noch dazu als erste Hauptrolle überhaupt, verlangt einiges an Vorbereitung. Alexandra Maria Lara zeigte sich im selben Gespräch beeindruckt von seinem Sprachgefühl vor der Kamera.
Ein Projekt mit Bill Kaulitz, über das er noch nicht reden darf
Im September 2025 tauchen Gíslason und Tokio-Hotel-Sänger Bill Kaulitz gemeinsam auf dem Münchner Oktoberfest auf, mitten im Kreis um Heidi Klum und Tom Kaulitz. Was zunächst wie ein zufälliges Treffen wirkt, ist mittlerweile eine engere Freundschaft. Beim Event „A Night to Remember“ von Prime Video im Februar 2026 bestätigte Gíslason gegenüber Promiflash, dass er und Kaulitz gemeinsam an etwas arbeiten. Details darf er wegen eines Vertrags nicht nennen.
Auf die Frage nach weiteren Formaten zieht er im gleichen Gespräch eine klare Grenze. Das Dschungelcamp kommt für ihn nicht infrage. „Ich liebe Natur, aber ich habe Angst vor dem Dschungel“, erklärte er dazu.
Beim Beziehungsstatus bleibt er zurückhaltend
Von 2019 bis 2021 war Gíslason mit dem brasilianischen Model Nathalia Soliani zusammen, über weite Strecken als Fernbeziehung zwischen Island und London. Während seiner Teilnahme bei „Let’s Dance“ 2021 löschte Soliani sämtliche gemeinsamen Fotos von Instagram. Eine offizielle Trennung wurde nie bestätigt. Zeitgleich kursierten Gerüchte über eine Nähe zu seiner damaligen Show-Konkurrentin Valentina Pahde, die ebenfalls nie offiziell bestätigt wurden.
Wie news.de berichtet, ist sein aktueller Beziehungsstatus bis heute nicht öffentlich bekannt.
Im April 2020 starb Gíslasons Mutter im Alter von 66 Jahren. In einem Instagram-Beitrag verabschiedete er sich damals von ihr mit den Worten, sie habe für ihn und die ganze Familie die Welt bedeutet. Zu diesem Teil seines Lebens äußert er sich öffentlich seither kaum.
Ein Bild, das älter ist als die Realität
Acht Jahre nach dem Spiel gegen Argentinien ist Gíslason in Deutschland weiterhin präsent, allerdings über deutlich mehr Stationen, als sein Ruf vermuten lässt. Eine Getränkemarke, ein Modelabel, ein Titel bei „Let’s Dance“, ein Kinofilm und inzwischen eine Netflix-Hauptrolle stehen inzwischen auf seiner Liste. Dass Fans ihn Anfang 2026 noch immer als Vergleichsmaßstab heranziehen, zeigt vor allem, wie sehr das öffentliche Bild an einem einzigen Jahr hängen geblieben ist, während sich bei Gíslason selbst seither einiges verschoben hat.
Quellen: Wikipedia, Promiflash, news.de
